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Jonge, Jonge!

Wolfgang Rolshoven ist Vorsitzender des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges und damit qua Amt eine einmalige Figur. Sehr viele Menschen kennen den 76-Jährigen. In Wahrheit wissen die meisten aber wenig über ihn.

Von Hans Onkelbach
Veröffentlicht am 23. September 2021
Wolfgang Rolshoven
Jonges-Baas Wolfgang Rolshoven neben dem Holzstuhl, auf dem er die Versammlungen des Heimatvereines leitet. Auf der Rückenlehne sind die Namen seiner Vorgänger eingraviert mit der Dauer ihrer Amtszeit. Seiner steht ganz unten. Seine Amtszeit begann 2012, demnächst will er sich zur Wiederwahl stellen - für weitere drei Jahre. Foto: Andreas Endermann

Nein, er hat keine weiße Weste. Aber karierte, gestreifte, schwarze und graue – dieses Kleidungsstück ist, gern ohne Sakko, Teil der Lieblingsgarderobe von Wolfgang Rolshoven. Mindestens ein halbes Dutzend davon besitzt der Chef des größten Düsseldorfer Heimatvereins, der Baas der Jonges. Geknöpft kombiniert er es mit Jeans und oben offenem Hemd (nur ein Knopf!), die blank geputzten Schuhe im dezenten Farbkontrast. Das grau-schwarze nach wie vor dichte, leicht gelockte Haar ist mit wenig Gel nach hinten gekämmt. Wählt er Jackett, dazu passende Hose und eine Krawatte, dann immer mit Einstecktuch (farblich passend, aber nie im Muster des Binders). Seine Gesichtsfarbe zeugt von viel Aufenthalt draußen, man würde ihm aber auch zutrauen, daheim gelegentlich per Solarium nachzuhelfen, um nicht blass zu wirken.

Im übertragenen Sinne tut der Mann das eh nicht – einen farblosen Auftritt wird ihm selbst ein Gegner nicht nachsagen. Es soll an Düsseldorf interessierte Nicht-Düsseldorfer geben, die ihn für den Oberbürgermeister halten. Oder den Ordnungsdezernenten. Viele verorten ihn an der Spitze des Brauchtums, also Schützenchef oder Karnevalsprinz, andere mutmaßen, er habe was mit Stadtplanung zu tun. Die personifizierte Ämterhäufung also, was durchaus stimmt.

Tatsächlich hängt das mit dem Job zusammen. Die Jonges sind ein Kuriosum der NRW-Landeshauptstadt: 3250 Mitglieder, alles Männer und sehr präsent in dieser Stadt. Egal, um was es geht – sie reden mit. Auch ungefragt. Daher sind sie respektiert bei den stets um ihre Stadt besorgten, an ihrer Stadt interessierten Hardcore-Düsseldorfer. Ihnen geben die Jonges das gute Gefühl, ein Auge drauf zu haben, die-da-oben zu kontrollieren. Wobei praktischerweise viele von denen-da-oben männlich sind und ebenfalls Mitglied im Verein. In Struktur und Bedeutung kann man die Jonges vergleichen mit dem Kölner Festkomitee, das vermeintlich nur den Karneval, in Wahrheit aber die gesamte Stadt – sagen wir: prägt. Mit den Düsseldorfer Jonges ist das ähnlich, aber anders.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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