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Ex-Alt-Schuss-Sänger Rainer Lieverscheidt geht in Rente – auf Mallorca

Seine Biografie ist alles andere als gradlinig, er hat in seinem Leben einiges angerichtet, vor allem am Herd und auf der Bühne. Auf der Deutschen liebster Insel will er sich nun mit 70 zur Ruhe setzen. Soweit der Plan.

Veröffentlicht am 12. Mai 2023
Rainer Lieverscheidt
Rainer Lieverscheidt auf der Terrasse seines Finca-Hotels bei Felanitx auf Mallorca. In ein paar Tagen wird er 70. Und zum Ende des Jahres hört er als Hotelier auf und zieht mit seiner Frau Karin in ein Haus bei Artà im Nordosten der Insel. Foto: Wolfgang Sohn

Ihn in Düsseldorf nicht zu kennen, war nahezu unmöglich – dafür war er ein zu prominentes Gesicht im Karneval. Seine Band Alt-Schuss trat bei vielen Veranstaltungen auf, im Hintergrund lenkte Frontmann Rainer Lieverscheidt die Combo, und schrieb Lieder auch für andere, unter anderem für die KG-Regenbogen oder Motto-Lieder für Prinzenpaare. Dennoch hatten er und ich lediglich voneinander gehört, uns aber nie getroffen. Weil ich mich einmal abfällig über Düsseldorfer Musiker (verglichen mit Köln) geäußert hatte, hegte Lieverscheidt aus der Ferne einigen Groll gegen mich, wie er mir später erzählte. Das änderte sich 2018. Zufällig hatte ich erfahren, dass er umgezogen war – nach Mallorca. Dort wollte er sich einen Lebenstraum erfüllen und Hotelier werden. Karneval, Alt-Schuss, Sänger und dann Hotelier? Die Story wollte ich hören – und besuchte ihn im Sommer, um ein Porträt über ihn zu schreiben. Damals noch für die „Rheinische Post“.

Darin habe ich ihn am 20. August 2018 so beschrieben: „Der Mann ist das Paradebeispiel für ungewöhnliche Lebensentwürfe: Eigentlich Bauzeichner, arbeitete er im Laufe seines Lebens als Gastronom und Caterer, ist an einer IT-Firma beteiligt, beriet den Lebensmittel-Konzern Edeka als Experte für frische Lebensmittel. Und nun Mallorca. Allerdings will er keinen Dauer-Urlaub machen bis an das Ende seiner Tage. Sondern er hat in den Bergen bei Felanitx eine Finca mit entsprechender Lizenz gepachtet, die er als kleines Hotel betreibt. Vier Zimmer hat die Villa, bald vielleicht fünf. Was zuerst als Versuch mit einer Durststrecke von zwei oder drei Jahren geplant und budgetiert war, läuft jetzt schon bestens.“

Die Erfolgsgeschichte blieb seitdem stabil: Werbung musste Lieverscheidt nicht machen für sein kleines Paradies da oben in den Bergen. Gemeinsam mit seiner Frau Karin kümmerte er sich um die Gäste, und die kamen sehr oft aus Düsseldorf. Man könnte es auch so sagen: Wer auf keinen Fall Karnevalisten treffen wollte, für den wäre die Finca „sa Fuente“ (die Quelle) an vielen Zeiten im Jahr der falsche Ort gewesen. Das komplett zu buchende Haus war oft von Gruppen aus dem Brauchtum belegt, die Reihe der Ex-Prinzen auf der Gästeliste ist ziemlich umfangreich. Aber nun geht auch das zu Ende. Neulich war eine Gruppe von fröhlichen Männern da, die ein Bier-Wochenende begehen wollten. Dass es ziemlich unakademisch zugegangen ist, darf als sicher gelten, und am Schluss war die Begeisterung groß.

Der Wunsch nach Wiederholung jedoch ist nur dann zu erfüllen, wenn man noch dieses Jahr bucht – denn Lieverscheidt will die Finca zum Jahresende verlassen. In ein paar Tagen wird er 70, und das, so meint er (und vor allem Karin), ist der richtige Zeitpunkt, es ruhiger angehen zu lassen. Ein Nachmieter ist gefunden, die neue Adresse auch: Das Paar wird umziehen in eine Finca in der Nähe von Artà im Nord-Osten der Insel. Die Gegend ist sehr ruhig, rummelige Touristenorte wie Cala Ratjada und Cala Millor sind etliche Kilometer entfernt. Weil es den Mann mit dem markanten, nach oben gezwirbelten Schnäuz aber immer noch in den Fingern juckt, wenn er ein gutes Stück Fleisch oder wilden Brokkoli sieht, wird er nicht nur noch auf der Terrasse sitzen und Cortado oder selbst angesetzten Hierbas trinken. Wer ihn als privaten Koch bei sich für eine Feier haben möchte, kann ihn anfragen – und wird das, so die Resonanz von denen, die das bereits erlebt haben, nicht bereuen.

Lieverscheidt, bekannt auch aus einigen Koch-Sendungen, hat sich nämlich als Autodidakt eine Menge Feinheiten am Herd, am Grill und am Plancha beigebracht und kocht, grillt und schmort zum Niederknien. Entsprechend lang ist die Liste der kulinarischen Wiederholungstäter bei seinen Koch-Abenden. Längst kann er sich aussuchen, für wen er gegen gutes Honorar die Pfanne erhitzt und nimmt nur noch Aufträge an, bei der die Schar der Mitesser eine bestimmte Grenze nicht überschreitet. „Das wird mir sonst zu viel, das brauche ich nicht mehr“, sagt er.

Auf jeden Fall wird das Ganze eine ziemliche Umstellung. Auch für die Katzen Paula, Mischka und Coco Chanel – die haben sich an die vielen Gäste gewöhnt und genossen es, mit denen um die Wette in der Sonne zu liegen. Natürlich ziehen sie mit um und werden es genießen, dass Chefin und Chef bald mehr Zeit haben für die Fellpflege.  


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