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Düsseldorfs TV-Sitzung zeigt, warum der Fernseh-Karneval keine Zukunft hat

Diese Prognose ist nicht gewagt: Was da seit Jahren in der Stadthalle aufgezeichnet und später zusammengeschnitten gesendet wird, wird in dieser Form verschwinden. Immer dieselben Büttenredner, ein festgefahrener Ablauf und kein Esprit – das kann so nicht weitergehen.
Von Hans Onkelbach (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 10. Januar 2024
TV-Sitzung ARD Karneval Düsseldorf
Stefan Kleinehr (Mitte) bei einem seiner Auftritte als Präsident der Düsseldorfer TV-Sitzung. Diese Aufgabe will er nicht weiter übernehmen, nun muss die Nachfolge geregelt werden.

Vorab ein persönlicher Eindruck: Als ich neulich abends beim Zappen auf irgendeinem dritten TV-Programm der ARD einen Zusammenschnitt zum Thema „Fernsehkarneval“ sah, bin ich aus Neugier dabeigeblieben. Im Bild tauchte eine merkwürdig unförmige Frau auf – kostümiert, wie man sich vor gefühlt 40 Jahren den Berufsstand der so genannten Putzfrau vorstellte. Also dick mit spack sitzendem Kittel, Kopftuch, Eimer und Schrubber: Die Figur heißt Achnes Kasulke und berichtet in leicht rheinischen Singsang von ihrem Blick auf die Dinge. Der ist nicht immer besenrein und war früher mal witzig, vermute ich. Jetzt jedoch zündete in den Minuten, in denen ich mir das ansah, kaum eine der Pointen. Noch irritierender: Es wurde nicht klar, ob es sich um einen aktuellen oder einen schon älteren Auftritt handelte.

Achnes Kasulke trat auch bei der jüngsten Sitzung der Düsseldorfer TV-Sitzung auf. Außerdem noch Jürgen Hilger, Markus Krebs und Volker Weininger. Sollten Sie an diesem Genre interessiert sein, kennen Sie die Namen. Sie sind eine Art Stammbesetzung dieses Events. Woran das liegt? Sitzungspräsident Stefan Kleinehr kennt die Frage – und die Antwort: Sie sind gut, das Publikum mag sie, und es gibt wenig bezahlbare Alternativen. Also setzt man lieber auf Bewährtes und geht kein Risiko ein.

Vor allem in Düsseldorf ist das ein Problem: Man versucht zwar, Nachwuchs zu fördern, aber die Ergebnisse sind mager. Sowohl für Wort- als auch für Musikbeiträge. Kritiker sagen, neue Leute bekämen keine Chance, da man stets die Etablierten bevorzuge und entsprechend bezahle. Also immer dieselben Gesichter. Was dazu führen könnte, dass eine versehentlich übertragene Sitzung vom vorigen Jahr nicht als alt zu erkennen wäre. Nicht mal von denen, die dabei waren. Es sei denn, sie sehen sich selbst und haben das Kostüm gewechselt.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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