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Düsseldorf Marathon kehrt 2025 zurück

Im Frühling nächsten Jahres gehen die Läufer wieder an den Start des 42,195 Kilometer langen Rennens. Zuletzt gab es den Lauf hier 2019. Organisiert wird die Neuauflage von der Stadt selbst. Der Ursprung des Events liegt im Jahr 2000 – in Sydney und New York.

Von Hans Onkelbach (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 19. April 2024
Metro Group Marathon 2014
Marathon in Düsseldorf bei Regen: Für die Läufer ist das angenehmer als die Hitze bei der Premiere im Mai 2003.

Der Marathon hat in Düsseldorf keine Tradition. Dass die Stadt diesen extremen Lauf überhaupt anbot, verdankte sie auch ihrem früheren Oberbürgermeister Joachim Erwin. Er wollte Düsseldorf unbedingt durch große Sportereignisse bekannt machen. Er war in seiner Jugend als Leichtathlet aktiv und studierte in Bochum neben Jura Sport. Deshalb betrieb er kurz nach der Übernahme des Jobs im Rathaus dieses Ziel. Und nutzte dafür gern große Plattformen.

Eine davon waren die Olympischen Spiele im Sommer 2000 im australischen Sydney. Bei einem Empfang im oberen Stockwerk eines Hotels mit Blick auf den Hafen schwärmte der noch neue Rathaus-Chef von der Stimmung in der Stadt. „Das wollen wir auch“ war sein Spruch. Der damalige NRW-Ministerpräsident, Wolfgang Clement (SPD), wahrlich kein Freund Erwins, stimmte zu. So wurde dort die Idee geboren, sich für die Olympischen Spiele 2012 zu bewerben. Das tat man auch, scheiterte aber im nationalen Vorentscheid. Leipzig durfte sich für Deutschland bewerben, verlor aber ebenfalls. Die Spiele gingen nach London.

In dieser Zeit entstand zudem die Idee, in Düsseldorf einen Marathon zu veranstalten. Was natürlich mit viel weniger Aufwand zu realisieren war und, anders als Olympia, nicht von den Entscheidungen anderer abhing. Eine Art Generalprobe fand statt in New York im November 2000 – wenige Monate nach Olympia in Australien. Die Fortuna-Laufgruppe an der US-Ostküste trat an. Joachim Erwin war dabei, der damalige Regierungspräsident Jürgen Büssow (SPD), Fotokünstler Andreas Gursky und noch etliche andere Düsseldorfer gingen an den Start.

Von New York begeistert
Am Tag vor dem Lauf nahmen Erwin, Gursky und der damals noch nicht bekannte Jan Winschermann an einer Besichtigungs-Tour durch verschiedenen Galerien teil, die Kunstberater (und Mit-Läufer) Helge Achenbach organisiert hatte. Dabei sprach man natürlich über den Marathon, war beeindruckt von der Organisation und der spürbaren Begeisterung der Menschen. Winschermann, seinerzeit Inhaber eine Firma für technische Geräte, schlug Erwin vor, einen solchen Lauf in Düsseldorf zu machen. Der zeigte Interesse und forderte ein Konzept. Das sagte Winschermann zu und machte sich wenige Tage später in Düsseldorf an die Arbeit – mit starker Unterstützung des Oberbürgermeisters, dem es wichtig war, die Fäden in der Hand zu halten.

Winschermann gründete 2001 als Basis seiner Arbeit den Verein Rhein-Marathon-Düsseldorf. Rhein-Marathon war später der Namen des Rennens. Bis zur Premiere dauerte es dann allerdings noch über zwei Jahre, denn keiner hatte Erfahrung mit der Organisation eines solchen Events. Und es fehlte Geld. Dank Erwin half die Stadtsparkasse.

Am 3. Mai 2003, einem ungewöhnlich warmen Frühsommertag, versammelten sich rund 7000 Läufer auf der Rheinuferstraße unterhalb der Tonhalle und starteten um 10 Uhr Richtung Messe. Die Streckenführung war in Teilen nicht optimal. Es gab lange Bereiche mit wenig Zuschauern – für Läufer ungünstig, weil ihnen die mentale Unterstützung der Menschen am Rand fehlt. Ein Beispiel: der linksrheinische Abschnitt vom Seestern nach Lörick und über Hansa- und Luegallee zurück Richtung Rhein. Damals merkten etliche Sportler, dass die Luegallee eine sanfte, aber lange Steigung Richtung Oberkasseler Brücke hat. Überall machte die Hitze den Frauen und Männern zu schaffen.

Fun Facts zur Premiere

  • Weil der Etat nicht reichte, lieh man sich beim Köln-Marathon 300 lebensmittelechte Plastikwannen für Snacks, Wasser und andere Getränke.
  • Die Hinweisschilder für den Lauf kamen ebenfalls aus Köln und trugen die Aufschrift Ford-Marathon (Ford war in Köln einer der großen Sponsoren). Das störte jedoch niemanden. Am Ende fehlte eines dieser Schilder. Es tauchte Monate später als Souvenir hinter einer Kneipen-Theke auf.
  • Für die Dehnungsfuge der Kniebrücke auf der Oberkasseler Seite brauchte man eine Abdeckung. Die wurde seinerzeit aus einem Stück Blech gefertigt.
  • Weil viele Rollstuhlfahrer und Skater dabei waren, mussten die Straßenbahnschienen gesichert werden. Acht Kilometer Tau wurden daraufhin in die Schienen gestopft. Sie durften aber nur in bestimmten kurzen Zeitabschnitten drinbleiben. Denn sobald die Bahnen wieder fuhren, musste alles wieder raus. Ein verrückter Aufwand, wie sich Organisator Jan Winschermann später erinnerte. Die Seile hatte er ebenfalls in Köln ausgeliehen.

Mit Schmerzen gelaufen
Für Erwin wurde der Lauf zu einem Schicksalstag. Er schaffte es am Ende mit letzter Kraft und sichtlich angeschlagen ins Ziel. Wie er mir damals berichtete, hätten ihn schlimme Bauchkrämpfe fast aufgeben lassen. Er ließ sich untersuchen – und es wurde Darmkrebs diagnostiziert. Das machte er kurze Zeit später öffentlich, zeigte sich aber optimistisch. Was damals keiner ahnte: Die Prognosen waren keinesfalls positiv. Fünf Jahre später, am 8. Mai 2008, starb er an der Krankheit.

Details zur Neuauflage
Die Organisation werden die eigenen Gesellschaften D.Sports und D.Live übernehmen. Düsseldorf möchte sich nicht auf einen externen Veranstalter verlassen. Mit diesem, Golazo aus Belgien, hatte man zuletzt schlechte Erfahrungen gemacht. Dass aber künftig wieder auswärtige Veranstalter den Lauf realisieren, ist nicht ausgeschlossen. Uniper ist Namens- und Hauptsponsor.

Oberbürgermeister Stephan Keller ist übrigens selbst Marathoni: Er startete (und schaffte) 2001 seinen ersten und bisher einzigen Lauf dieser Länge – in Köln.

Weiterführender Link

Strecke und eine Anmeldemöglichkeit für den Marathon 2025 finden Sie hier.


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