Ongard Köcher-Onnom und Dante auf der Oberkasseler Brücke. Foto: Andreas Endermann
Ongard Köcher-Onnom und Dante auf der Oberkasseler Brücke. Foto: Andreas Endermann

Dante, die Dogge

Wenn die zwei um die Ecke kommen, guckt jeder hin: Grafik-Designer Ongard Köcher-Onnom, seine italienische Dogge Dante – beide auf einem Motorrad mit Beiwagen.

Von Hans Onkelbach
Veröffentlicht am 15. Mai 2021

Dieser Dante hat mit Inferno nichts im Sinn, über dem Eingang zu seiner Welt steht der Spruch „Ihr, die hier eintretet, lass alle Hektik fahren“. Dante ist ziemlich komfort-affin, schläft mindestens bis 11 und lässt nach dem Aufstehen jeden Tag langsam angehen, dabei ist das Gehen keineswegs seine Lieblingsart der Fortbewegung. Dante schätzt es zu fahren, oder vielmehr: Er lässt sich fahren. Das hat Ongard schon der Hundewelpe beigebracht, weil von Anfang an klar war, dass er mit dem Tier viel unterwegs sein würde. Das geht halt nicht immer zu Fuß, sondern muss schneller sein. 

Ergebnis: Dante stehen drei Fahrzeuge zur Verfügung, zwei Anhänger und ein Beiwagen. Die beiden Hänger – einer sieht aus wie ein antiker Kampfwagen im Film Ben Hur – werden hinten an Ongards E-Bike geflanscht, der Beiwagen ist fest verschraubt mit einem Moped namens Honda-Monkey, in den 70er Jahren ein Kult-Zweirad. Winzig klein, flott, damals mächtig angesagt, heute würden man sagen stylish. Honda bringt gerade eine Neu-Auflage auf den Markt, die sich Ongard bereits gekauft hat. Für Dante. 

In diesen rollenden Komfortzonen hockt Dante, sein Schwanz hängt hinten über der Kante und wird mit cleveren Konstruktionen davor bewahrt, über den Asphalt zu schleifen. 

Es ist unübersehbar: Dante liebt es, den Fahrtwind in der dicken Nase zu spüren und rührt sich nicht vom Fleck. Nie liegt er, stets sitzt er mit hoch erhobenem Kopf, um nichts zu verpassen.

Dante ist ein Cane Corso italiano, man könnte auch sagen eine „Italienische Dogge“. Er ist drei Jahre alt, damit im besten Rüdenalter seiner Rasse, und wiegt 55 Kilogramm. Womit er deutlich leichter ist als sein Herr Ongard. Der hat deutsche und thailändische Wurzeln, arbeitet als Grafik-Designer, macht vor allem Corporate Identity für kleine Firmen oder Arztpraxen. Das hat er in Düsseldorf an der damaligen Fachhochschule studiert. Als Student verdient er sich sein Geld als Hundebetreuer, und irgendwann kommt der Entschluss, selbst einen Vierbeiner zu haben. 

Ongard, dessen Werkstatt in einem Bilker Hinterhof aussieht wie ein dreidimensionales Wimmelbild, ist entgegen diesem leicht chaotischen Eindruck sehr strukturiert. Daher bereitet er sich lange auf seinen Hund vor, bevor dieser in sein Leben kommt. Baggio war der vom Züchter gegebene Name, nach dem italienischen Fußballer Roberto Baggio. Ongard jedoch wählt Dante – wegen ganz anderer italienischer Hintergründe. Und dabei bleibt es. Heute sind die beiden ein Duo, das rund um die Bilker Kirche zum Straßenbild gehört. 

Apropos hören: Ongards Nachbarn wussten bis vor kurzem nicht, dass der einen Hund hat. Weil Dante fast nie bellt. Er ist zwar ein Wachhund, versteht seine Aufgabe jedoch eher körperlich als akustisch. Nähert sich ein Unbekannter, trottet er hin, beschnüffelt den/die Fremde(n) und entscheidet dann über das weitere Vorgehen. Wer Dante live sieht, zweifelt nicht daran, dass seine Entscheidungen stets akzeptiert werden. Er wirkt nämlich furchterregend, hat aber das Gemüt eines Kätzchens. Gekrault zu werden am mächtigen Kopf, der die Form hat und sich anfühlt wie ein Medizinball mit Haaren, entlockt ihm ein wohliges Grunzen. Dass der Rüde immer noch im Besitz seiner vollen Manneskraft ist, hormonell also nicht vom Tierarzt eingeschränkt wurde, ist – anders als bei den meisten anderen Rassen – kein Problem: Dante ist, was das weibliche Geschlecht angeht, kein – sagen wir: Windhund. Er nimmt die Verlockung einer läufigen Hündin wahr, gibt ihr aber nicht nach. Vermutlich ist ihm das zu stressig. Er fährt ab auf seine Karren, und findet, dass das Leben ziemlich gut läuft. 


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