Chili statt chillen: Das Schärfeparadies auf dem Balkon

Patrick Jehle züchtet 450 Sorten der kleinen Schoten. Sie sind süß, fruchtig, sauer, scharf, brutal und sehr brutal. In Düsseldorf teilt er sein Wissen und seine Kochkünste in Seminaren und Supper-Club-Abenden.
Von Andrea Kohlert (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 4. Februar 2026
Patrick Jehle Chili-Produzent aus Düsseldorf
Patrick Jehle und das Gewürz seines Lebens: Chili.

Eins gleich vorneweg: Dies ist keine Erfolgs­geschichte über einen hippen Start-up-Gründer, der mit seinen Chili-Gewächsen spricht. Das hier ist die Geschichte eines Mannes, der nie einen geraden Weg gegangen ist – sondern immer dem nächsten Impuls gefolgt ist. Und der war stets gut. Und richtig. Genau deshalb stehen heute jede Menge Chili-Sorten auf seinem Balkon.

Patrick Jehle, 46, ist Neu-Düsseldorfer. Seit anderthalb Jahren. Weil er sein Leben eher nach Bauchgefühl als nach Karriereleitfaden geordnet hat, kam er nach Thailand: „Ich habe den Film ,The Beach‘ mit Leonardo DiCaprio im Kino gesehen und war völlig begeistert. Ich dachte: Da muss ich hin.“ Gesagt, getan. Kurze Zeit später fliegt er One-Way nach Phuket, macht einen Tauchkurs – und wird Tauchlehrer. Nebenbei übernimmt er das Marketing für eine dort ansässige Immobilienfirma und unterrichtet Kinder an einer International School in Englisch.

Thailand verändert seinen Geschmack
Kulinarisch startet er wie viele deutsche Touristen: äußerst vorsichtig. Er sucht gezielt nach Gerichten, die bloß nicht scharf sind. „Das ist mir natürlich nicht immer gelungen. Ich saß oft vor einem Teller und dachte: Das ist so scharf, das kriege ich nicht runter.“ Aber Thailand verändert den Geschmack. Und die Schmerzgrenze. Je länger er bleibt, desto schärfer muss es sein. Irgendwann gehört Chili nicht mehr zum Essen, irgendwann ist Chili das Essen. Sieben Jahre lebt er dort.

Zurück in München folgt der nächste Bruch. Ohne klassische Zeugnisse, ohne sauberen Lebenslauf bewirbt sich Jehle kurzerhand über JobScout24 auf eine Stelle als IT-Projektmanager. Statt einen Lebenslauf zu senden, nutzt er das Kommentarfeld – und beschreibt dort in epischer Breite seinen Lebensweg. Mit erstaunlichem Erfolg. „Wenig später hat sich dann tatsächlich der CEO bei mir gemeldet und mir den Job gegeben.“

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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