Pflegefall Uniklinik

Seit dem 4. Mai streiken Beschäftigte der Unikliniken in Nordrhein-Westfalen. Ich habe drei von ihnen im Streikzelt in Düsseldorf besucht und gelernt, wofür sie – bislang ohne Erfolg – kämpfen. Die Probleme kann ich aus einer eigenen harten Erfahrung zu gut nachvollziehen.

Von Anne Florack
Veröffentlicht am 6. Juli 2022
Streik Uniklinik Düsseldorf
Streik an der Uni-Klinik: Das ist mehr als ein Arbeitskampf. Betroffen sind wir alle, denn jeder kann betroffen sein von schlechter Pflege – als Patient oder Angehöriger. Foto: Andreas Endermann

Es ist Juli, und kein Fenster geht ganz auf. Für die Leute draußen ist irgendein Sommer, auf meiner Station in der Uniklinik Düsseldorf fürchtet man sich nachts davor, dass es der letzte sein wird. Gut ist, wenn man das Bett selbständig verlassen oder sich zumindest im Rollstuhl ans gekippte Fenster setzen kann. Mir gelingt beides seit Tagen nicht mehr. Die Nachwirkungen der Operationen hauen rein, die Therapien erst recht. Ich liege in Zimmer 17 auf harten Laken in meinem Erbrochenen und drücke mit dem Daumen unter der Decke zum fünften Mal auf den roten Knopf, der Hilfe holen soll. Vergeblich. Vor der Tür ist Lärm und viel zu tun. Zu viel. Ich will mich aufrichten, aber wegen Schläuchen und Beuteln und Kabeln und Nadeln an und in meinem Körper kann ich nicht. Dann summt es. Ich bekomme Panik. Durch den Fensterschlitz fliegt eine Wespe in meine Richtung. Ich reagiere allergisch auf Wespenstiche und ahne, wenn die sich jetzt in meinen Locken verfängt und Bock auf Angriff hat, bin ich verloren. Roter Knopf, roter Knopf, roter Knopf.

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