Jonges lehnen AfD-Auftritt ab

Der Heimatverein legt Wert darauf, politisch neutral zu sein. Aber nicht bei der Alternative für Deutschland. Diese Partei hält man für faschistoid und demokratiefeindlich. Und zitiert dazu die Toten Hosen.

Von Hans Onkelbach
Veröffentlicht am 9. August 2021
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Baas Wolfgang Rolshoven vor dem Sitz der Jonges im Ratinger Tor. Der Verein lehnt jeden Kontakt zur AfD ab. Foto: Johannes Boventer

Am Dienstag, 10. August, werden vier Politiker bei den Jonges zu Gast sein, die sich (erneut) um ein Mandat im Bundestag bewerben. Einige Tage später wird es eine weitere Runde mit anderen Bewerbern geben. Vertreten sind die im Düsseldorfer Rat vertretenen Parteien – bis auf die AfD (Alternative für Deutschland). Ihre Bewerber um ein Bundestagsmandat wurden erst gar nicht eingeladen.

Die Jonges vertreten dazu eine eindeutige Meinung, formuliert durch ihren Vorsitzenden, Baas Wolfgang Rolshoven. Man halte die Partei für faschistoid und demokratiefeindlich. Und damit höre die in der Satzung postulierte parteipolitische Neutralität auf. Dort heißt es: „Der Verein ist parteipolitisch, weltanschaulich und konfessionell neutral.“ Darauf könne sich eine Partei wie die AfD nicht berufen, und daher will man ihr kein Forum bieten. Man kämpfe für ein weltoffenes Düsseldorf – und daher gegen die AfD.

Die Jonges haben mit diesem Entschluss, AfD-Vertreter zu ignorieren, außerdem einen Eklat vermieden. Denn die Industrie- und Handelskammer (IHK) Düsseldorf, die anders gehandelt und zu ihrem Wahlkampfforum einen AfD-Vertreter gebeten hatte, fing sich damit eine Absage der anderen Gesprächsteilnehmer ein: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek lehnte es ab zu kommen, auch FDP-Kandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kündigte an, auf keinen Fall teilzunehmen. Dem schloss sich später auch Andreas Rimkus, für die SPD im Bundestag, an. Die IHK zog daraufhin ihre Einladung an den AfD-Vertreter zurück. Dass die oben genannten Politiker, die auch bei den Jonges zu Gast sein werden, ihren Auftritt erneut abgelehnt hätten, ist also gewiss.

Bei den Jonges geht die Ablehnung so weit, dass sie die Mitgliedschaft bei der AfD als Ausschlusskriterium in ihrem Verein sehen. Wer zu dieser Partei gehöre, könne nicht gleichzeitig beim nach eigenen Angaben größten Heimatverein Deutschlands dabei sein. Das würde man auf jeden Fall durchziehen, sei sich aber darüber im Klaren, dass es womöglich Mitglieder gebe, die das nicht offenlegten. Bei mehr als 3000 Jonges geht man zudem davon aus, etliche AfD-Wähler in den eigenen Reihen zu haben.

AfD-Leute auf keinen Fall aufzunehmen, wäre leicht umsetzbar, denn die Satzung regelt das eindeutig: „Über den Aufnahmeantrag entscheidet der Vorstand. Der Vorstand ist berechtigt, einen Aufnahmeantrag ohne Angabe von Gründen abzulehnen.“ Im konkreten Fall hätte er einen Grund und würde das auch entsprechend begründen. Zudem braucht jeder neue Jong zwei Bürgen. Unwahrscheinlich, dass ein bekennendes AfD-Mitglied die finden würde.

Der bisher einzig bekannte Fall eines AfDlers bei den Jonges hat sich von selbst erledigt: Der Mann (Frauen können nicht eintreten) war als AfD-Mitglied bekannt. Bevor er aber über das Schiedsgericht zum Austritt bewogen werden musste, ging er von allein. Er war übrigens Lehrer für Religion und Geschichte.

Bei ihrer Haltung verweisen die Jonges unter anderem auf den Entscheid eines Gerichts aus dem Vorjahr, das es in einer Entscheidung nicht verbot, einen der AfD-Köpfe – Björn Höcke – als Faschisten zu bezeichnen. Unter anderem wegen dessen „faschistischen Sprachduktus“. Außerdem glaube man nicht, dass sich der besonders radikale „Flügel“ tatsächlich aufgelöst habe und sieht eine klare antidemokratische Haltung bei der Partei.

In einem Positionspapier hat der Vorstand der Jonges festgelegt, wie man mit Radikalen umgeht. Darin zitiert er auch die Toten Hosen: „Es ist auch mein Land. Und ich kann nicht so tun, als ob es mich nichts angeht. Es ist auch Dein Land. Und Du bist schuldig, wenn du Deine Augen davor verschließt.“


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