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Hoffnungsträgerin für die SPD: Klaudia mit K

Von Parteien wird Profil erwartet, auch geknüpft an eine Person. Bei den Genossen in der Landeshauptstadt sucht man das vergebens. Aber es gäbe eine Lösung: Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke.

Veröffentlicht am 23. Juni 2022
Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke bei einer Rede im Stadtrat in Düsseldorf
Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke bei einer Rede im Stadtrat. Foto: Andreas Endermann

Aus der Niederlage bei der Kommunalwahl 2020 hat die SPD-Fraktion im Stadtrat – sehr freundlich formuliert – halbherzige Konsequenzen gezogen. Obwohl sie damals elf Prozent der Stimmen verlor, änderte sich an der Spitze kaum etwas. Aus einem Vorsitzenden (Markus Raub) wurden zwei Vorsitzende (Markus Raub und Marina Spillner). Beide sind seit sehr vielen Jahren in der Düsseldorfer Kommunalpolitik aktiv, beide stehen daher nicht für einen Umbruch oder Neuanfang. Der SPD fehlt ein Gesicht, das für die Politik der nächsten Jahre steht, das Sozialdemokratie in den schwierigen Zeiten der 2020er repräsentiert. 

Annika Maus und Oliver Schreiber, die seit der Kommunalwahl die Partei führen, können diese Rolle kaum übernehmen. Sie gehören beide nicht dem Stadtrat an und fehlen daher auf der wichtigen politischen Bühne. Dabei haben die Düsseldorfer Genossen jemanden, der die genannten Bedingungen einer Hoffnungsträgerin erfüllt: Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke.

Die gebürtige Düsseldorferin übt das Amt seit 2014 aus, zuerst unter Oberbürgermeister Thomas Geisel, inzwischen unter Stephan Keller. Immerhin hat ihre Partei offenbar instinktiv das Richtige gemacht und ihr diese Aufgabe anvertraut. Zepuntke macht ihren Job auf eine ruhige, sehr überzeugende Weise. Die 59-Jährige ist authentisch, und egal, wo sie auftritt, spielt sie nicht irgendeine Rolle, sondern sie ist, wie sie ist. Das ist einigen in der SPD bewusst, aber offenbar ist noch keiner auf die Idee gekommen, das im Sinne der Partei zu nutzen, sie aufzubauen, zu stärken und für künftige Aufgaben vorzubereiten.

Dabei sind ihre Auftritte als Bürgermeisterin die beste Bühne, bekannt zu werden und beim Wähler zu punkten. Übrigens ist das auch der Hauptgrund, warum der Konkurrent von der CDU, der Erste Bürgermeister Josef Hinkel, so viele Termine wie möglich absolviert. Im Gegensatz zu ihm wirkt Zepuntke jedoch bei vielen Auftritten überzeugender. Dass sie irgendwo auftritt und – wie Hinkel – starr vom Zettel abliest, ist bei ihr sehr unwahrscheinlich.

Klaudia Zepuntke kann mit Menschen umgehen, was sie in den Jahren ihrer Arbeit als Gemeindeschwester gelernt hat. Einer der Genossen bezeichnete sie jetzt hörbar zufrieden als Sozialbürgermeisterin. Was auf jeden Fall zutrifft, denn sie besetzt – soweit möglich – vor allem die Themenfelder, auf denen sie schon immer daheim war: das Soziale und das Bodenständige, durchweg Themen, die nahe an den Menschen sind. Und zwar nicht nur bei denjenigen, die eh alles haben. Zum Bodenständigen passt, dass sie einmal in einem Interview beschrieb, wie sehr sie ihren Kleingarten mag und ihr Hobby, die Imkerei.

Mehrere Beispiele, die typisch für Klaudia Zepuntke sind: In Eller vermittelte sie, als Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt der Kneipe „En de Ehd“ kämpften. Sie nahm an einer Demo teil, auf der die Behörden wegen des Anschlags in Hanau kritisiert wurden. Und immer wieder hilft sie den Zentren Plus in Düsseldorf, die sich um Menschen jenseits der 60 kümmern.

Kurz: Klaudia Zepuntke ist im Grunde das, was die Sozialdemokraten suchen – eine pragmatische Kümmererin, der man ihr soziales Engagement glaubt, die aber auch von Bürgerlichen akzeptiert wird.

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