Einsame Höcke-Fans in Garath
Der Mann, der Garath für einen Montagabend zur linken Hochburg macht, betritt um 19.10 Uhr die Bühne im Kulturhaus Süd. Björn Höcke streckt die Arme nach oben. Freudiger Applaus drinnen, wo rund 400 Rechte den Thüringischen AfD-Chef sehen wollen. Ein weiträumiger Sicherheitskorridor draußen, den es braucht, um diese Nischen-Show vor den laut Organisator:innen rund 10.000 Gegendemonstrant:innen abzuschirmen. Vor dem Rest der Düsseldorfer Gesellschaft, die Höcke nur die „Seelenverwirrten der Republik“ nennt. „Opfer“ seien das, denen die Identität geraubt wurde.
Viel wurde in den vergangenen Wochen und Monaten über diesen Abend geschrieben und gesprochen. Über die Düsseldorfer AfD, die Björn Höcke nach Garath eingeladen hatte. Über die Diskussionen im Rat, ob dieser Auftritt nicht noch zu verbieten sei. Über die zivilgesellschaftlichen Pläne, Höckes Ankunft wahlweise zu verhindern oder wenigstens möglichst unangenehm zu gestalten. Zweiteres gelingt zumindest für die Besucher:innen, die anders als er durch den Vordereingang ins Kulturhaus Süd herein- und später wieder herausmüssen. Polizisten mit heruntergeklappten Visieren trennen sie dort von einer Menge, die auch am späteren Abend noch aus voller Inbrunst „Siamo tutti antifascisti“ brüllt. „Wir sind alle Antifaschisten.“
Drinnen im Kulturhaus Süd ist Höcke die Freude an der Aufmerksamkeit seiner Gegner:innen anzumerken. Mit Headset tritt er vor den Tisch, den ihm die Düsseldorfer AfD vor einem Banner mit ihrem Logo und einer Deutschland-Fahne aufgebaut hat. Der Saal vor ihm ist voll besetzt. Es ist ein Publikum aus Biedermännern und Biederfrauen, dazu ein paar junge Influencer:innen-Gesichter. Diejenigen, deren rechter Extremismus stilistisch erahnbar scheint, sind auch da, aber doch in der Minderheit. Zeitweise bricht ein richtiger Kampf um die letzten Plätze aus. Zwei ältere Frauen wollen schon wieder den Saal verlassen, reden auf eine dritte ein. „Die kommen nicht rein. Der Rainer, der Dieter. Wie willst du denn nach Hause kommen? Laufen?“
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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