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Helmut Schmidt beim 50. StŠndehaustreff am 19/03/2012
Moderator Giovanni di Lorenzo und Altkanzler Helmut Schmidt. Rauchen war erlaubt, aber nur für über 90-Jährige. Foto: Andreas Endermann

Strenges Rauchverbot – aber nicht für Altkanzler Helmut Schmidt

Den Polit-Talk Ständehaus-Treff erleben 550 Menschen live. Geboten wird, was im politischen Betrieb Bedeutung hat und hatte – unter anderem Helmut Schmidt, Angela Merkel und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, der am 26. Juli 2002 als erster Gast auftrat.
Veröffentlicht am 21. Juli 2022

Das Ganze war und ist ziemlich exklusiv. Die Tickets werden nicht verkauft, sondern vom Gastgeber an Prominente gegeben und über gut zahlende Sponsoren gratis an deren Kunden, Partner oder Mitarbeiter weitergeleitet. Ungefähr 550 Frauen und Männer nehmen zum Essen an den Tischen im Foyer des Düsseldorfer K21 (Ständehaus) Platz. Im Laufe der nunmehr 20 Jahre waren es um die 45.000 Gäste. Viele von ihnen Wiederholungstäter bei diesem so genannten Ständehaus-Treff. Eine Erfindung des früheren Journalisten Axel Pollheim, der das Format seinerzeit auf den Weg brachte, um seinem damaligen Arbeitgeber, dem Finanzdienstleister Ideenkapital, eine Plattform für Kontaktpflege zu zimmern. Was auch gelang – das Event war schnell sehr begehrt. Übernommen wurde es später von Signa Property Funds, heute ist die Rheinische Post Gastgeber. 

Das Rezept ist denkbar einfach: Eine prominente Person, meist aus Politik, Wirtschaft, Sport oder Kultur, wird zum Interview mit einem ebenfalls bekannten Journalisten vor Publikum eingeladen. Die Gäste sind, nach meist anspruchsvoller Vorspeise und Hauptgang, live dabei, wenn jemand befragt wird, den sie sonst nur aus dem TV kennen. Das allein ist ihnen Reiz genug, denn sie erleben etwas, was sie sonst niemals – auch nicht für Geld – kriegen könnten. Alle kommen mit einem bestimmten Bild vom Gast des Abends im Kopf, und die meisten haben dieses Bild am Ende mehr oder weniger stark revidiert, wenn sie nach dem Live-Event mit neuen Eindrücken nach Hause gehen. Denn: Die persönliche Präsenz ist eine andere als die auf dem Bildschirm. 

Bei Angela Merkel – insgesamt dreimal zu Gast – verblüfften ihr Humor und Schlagfertigkeit. Da bleibt nichts mehr von dem Eindruck der stets grimmig guckenden Politikerin mit den tief eingeschnittenen Falten im Mundwinkel, sondern sie zeigte eine Menge Schalk im Nacken. Sehr viele Sympathiepunkte holte sie sich zum Schluss, als sie beim Hinausgehen kurz zu den Frauen am Empfangstresen ging, sich mit ihnen in einer Reihe aufstellte, die Fotografen herbeiwinkte und mit der Crew für ein paar Schnappschüsse posierte. Ihr Kommentar: „Für die Enkel später!“

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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