Unterwegs im unbekannten Lichtenbroich
Die höchsten Häuser in Lichtenbroich sind gar nicht besonders hoch, sie haben fünf oder sechs Geschosse. Es ist ihr Grau, die Nähe zur Straße, der geringe Raum zwischen ihnen, der einen beeindruckt und bedrückt. Die Architektur ist das erste, das uns auffällt, als wir durch die Straßen von Lichtenbroich gehen.
Der Stadtteil zwischen Dome und Flughafen steht im Mittelpunkt der neuen Folge unseres Podcasts „VierNull unterwegs“. In der Reihe sind wir passend zu einem Thema vor Ort in Düsseldorf, erkunden Aspekte dazu und sprechen darüber. So haben wir zum Beispiel in der ersten Folge im Wald über das Jagen gesprochen (hier zu hören).
Für den Besuch in Lichtenbroich gab es vor allem zwei Gründe:
1. Bei der Wahl zum Stadtrat wurde dort der zweithöchste Düsseldorfer Stimmanteil für die AfD verzeichnet (nach Garath). 18,25 Prozent stimmten damals für die Partei.
2. Der Stadtteil ist selbst den meisten Düsseldorferinnen und Düsseldorfern unbekannt. Man kennt vielleicht das Gewerbegebiet, das am Fernbahnhof des Airports beginnt, oder kommt auf dem Weg nach Ratingen oder Unterrath über die Wanheimer Straße oder den Volkardeyer Weg. Aber konkrete Bilder haben die wenigsten vor Augen – und das macht die Frage nach dem Wahlverhalten zunächst umso schwieriger.
Bei der Aufnahme der Podcast-Folge hatten wir den Eindruck, dass man in Lichtenbroich vor allem wohnt. Es gibt die erwähnten fünf- oder sechsstöckigen Gebäude ebenso wie Reihenhaus-Siedlungen. Hinzu kommen einige wenige Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants, viele Ziele für Freizeitbeschäftigungen sind uns nicht aufgefallen. Man scheint aus Lichtenbroich eher in andere Stadtteile zu fahren, um etwas zu unternehmen. Entsprechend prägend war die Zahl der Autos im Viertel.
Ebenfalls bestimmend sind die Hintergrundgeräusche. Autobahn und Hauptstraßen sowie der Flughafen bilden eine dauerhafte akustische Kulisse – für Lichtenbroich und unseren Podcast. Richtig entgehen kann man dem kaum. Es gibt einen Grünstreifen im Stadtteil, auch in den verkehrsberuhigten Straßen bleibt ein Rauschen.
Hinzu kommen bei einem Teil der Einwohnerinnen und Einwohner wirtschaftliche Sorgen. Laut Quartiersatlas der Stadt sind in Lichtenbroich-Süd 13,2 Prozent der Menschen arbeitslos. Die Quote für Kinderarmut liegt bei 36,4 Prozent.
Aus all den genannten Gründen kann man nachvollziehen, wenn Lichtenbroicherinnen und Lichtenbroicher ihren Stadtteil als abgehängt empfinden. Dieses Phänomen gibt es nicht nur in Ruhrgebietsstädten, die hart vom Strukturwandel getroffen wurden, oder in Teilen Ostdeutschlands, sondern auch in Düsseldorf. Wir diskutieren deshalb in der zweiten Hälfte der Folge, was man gegen diesen Zustand und dieses Gefühl tun kann. Unser Gedanke: Wenn ein Stadtteil benachteiligt ist, sollte man ihn am besten bevorzugen oder mindestens gleichbehandeln. Warum gibt es zum Beispiel ein Gratis-Angebot wie „Sport im Park“ nicht in Lichtenbroich? Oder warum startet die Stadt neue Programme wie die Mobilitätsstationen nicht mal in Lichtenbroich statt in den zentralen Vierteln?
Unsere Eindrücke und unsere Diskussion können Sie hier hören:
Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.
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