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Huch, plötzlich ist die Brücke auf

Fertig ist das Bauwerk seit Ende 2021. Aber Autos durften es aufgrund noch offener Arbeiten nicht nutzen. Nun wurde die neue Strecke von der A 52 in die linksrheinischen Stadtteile ohne vorherige Ankündigung freigegeben. Irritierte Fahrer tasten sich vorsichtig an die neue Verkehrsführung.

Veröffentlicht am 10. August 2022
Heerdter Lohweg
Die neue Brücke am Heerdter Lohweg schließt die B7/A 52 jetzt besser an die linksrheinischen Stadtteile an. Seit Dezember 2021 war sie fertig, aber erst jetzt wurde sie für Autos freigegeben. Foto: Amt für Brücken-, Tunnel- und Stadtbahnbau

Normalerweise wäre das ein klassischer Termin für den Oberbürgermeister, seinen Stellvertreter oder zumindest einen Politiker von der Bezirksvertretung gewesen: die Eröffnung des neuen Straßenanschlusses Heerdter Lohweg am Heerdter Dreieck. Seit Dezember 2021 ist er fertig, aber Autos durften ihn wegen noch offener Arbeiten nicht nutzen. Was Fußgänger und Radler sehr genossen, weil es für sie keine Sperrung gab. Nun ist die Brücke plötzlich offen, einfach so. Sie wurde Anfang der Woche fast in einer Nacht- und Nebelaktion freigegeben. Und keiner der oben genannten Personen war dabei, kein rotes Band wurde zerschnitten, es gab keine Rede über die Bedeutung des Betonklotzes, nichts.

Dabei hätte das gewaltige Bauwerk eine entsprechende Würdigung durchaus verdient. Denn es ist für viele der über die A52 aus den Nachbarstädten kommenden Pendler sehr wichtig. Über den neuen Anschluss und die durch ihn ermöglichte Querung der B7/A52 können sie ab sofort folgende Ziele erreichen:

Rechts von der Schnellstraße Heerdt und die dortige Schön-Klinik (früher Heerdter Krankenhaus), das Gewerbegebiet, den Hafen, die Geschäfte am Nikolaus-Knopp-Platz und an der Heerdter Landstraße; Oberkassel, wenn sie über die Pariser Straße vorbei am neuen Hallenbad Rheinblick 741 fahren.
Links der Schnellstraße Bürokomplexe wie den Hansa- oder den Prinzenpark an der Hansaallee, das Böhler-Gelände und den Vodafone-Campus.

Viele dieser Ziele waren bis zum Bau und der Freigabe der Brücke erheblich aufwändiger anzufahren. Aber auch im innerstädtischen Verkehr der linksrheinischen Viertel ist die Brücke eine Erleichterung. Sie verteilt das Aufkommen an Fahrzeugen nun auf mehr Straßen und verkürzt die Fahrt der durch die Autobahn getrennten Stadtteile, weil sie eine gewohnte Verbindung reaktiviert. Ungefähr an gleicher Stelle gab es früher bereits eine Brücke, aber sie war für den Neubau beseitigt worden und wurde von den Anwohnern am meisten vermisst, weil sie die eigentlich kurzen Strecken (zum Beispiel von Lörick nach Heerdt) durch lange Umwege ersetzte. Auf den Umleitungen war der zusätzliche Verkehr in den Jahren des Brückenbaus deutlich spürbar.

Dass die Brücke zwar fertig, aber nicht befahrbar war, hing mit Lieferengpässen zusammen. Laut Stadt waren diese im Sommer 2021 aufgetreten. Damals fehlten harzbasierte Materialen (zum Beispiel für Abdichtungen) sowie bestimmte Korrosionsschutzstoffe. Die Pandemie hatte dazu geführt, dass sich die Herstellung und Importe von Rohstoffen erheblich verzögerten und die Produktionsketten dadurch teilweise lahmgelegt waren. Die Materialien trafen erst im Herbst und am Anfang des Winters ein, die damit verbundenen Arbeiten am Stahl konnten dann in der kalten Jahreszeit aber nicht erledigt werden. Das war erst nach Fertigstellung der Brücke möglich. Ende Juli wurde nun noch einmal alles getestet (im Fachjargon: Bauwerkshauptprüfung) – offensichtlich mit positivem Ergebnis.

Wie sich der Verkehr künftig in den benachbarten Stadtteilen aufgrund des neuen Anschlusses bewegen wird, will die Stadt beobachten und unter Umständen durch Lenkungen nachsteuern. Dass die bisherigen Abfahrten an der Heesen- und der Benediktusstraße nun geschlossen werden, stößt bei Kaufleuten besonders an der Heerdter Landstraße auf Widerstand. Der Weg zu ihnen ist jetzt ein bisschen weiter geworden, und sie fürchten dadurch Nachteile.

Bei vielen Autofahrern löste die plötzlich komplett offene Verbindung sichtlich Irritationen aus, zumal die Beschilderung noch nicht umgestellt worden ist: Vorsichtig tasteten sie sich an die neuen Möglichkeiten heran, waren auf der Suche nach der für sie richtigen Fahrspur und erkundeten die Routen, die sie künftig regelmäßig fahren werden.

Zahlen
Die vierspurige Brücke ist 66 Meter lang und 25,5 Meter breit.
Die Bauarbeiten begannen im Sommer 2019.
Gesamtkosten für den Bau der Anschlussstelle: 29,7 Millionen Euro. Es wurden Landesmittel in Höhe von knapp 12,2 Millionen Euro bewilligt, so dass der Anteil Düsseldorfs für dieses Projekt bei 17,5 Millionen Euro liegt.

Weiterführende Links
Spektakulär war der Brückeneinschub, der im November 2020 stattgefunden hat. Ein Video dazu findet sich hier auf YouTube.

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