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WDR-Lokalzeit: Petra Albrecht hört auf – sie ist die mit der Fliege

Die Moderatorin ist das Gesicht des Westdeutschen Rundfunks in Düsseldorf, aber nun geht sie in Rente. Ende April hat sie ihre letzte Sendung. Und danach mehr Zeit für Yoga, Golf und ein Studium.

Veröffentlicht am 14. April 2023
Petra Albrecht
Petra Albrecht im Yoga-Raum: Seit Jahren findet sie dort die Entspannung nach dem stressigen Job. Foto: Andreas Endermann

Sie hat zahlreiche Gäste interviewt, querbeet Themen – traurige, lustige, kuriose – präsentiert, stand ein paar tausend Mal am Moderationstisch des WDR-Studios im Medienhafen. Es war ein bewegtes TV-Journalistinnenleben. Da ist viel passiert, sie hat viel erlebt. Aber wenn neue Mitarbeiter kommen und sie ihnen vorgestellt wird, dann hört sie oft diesen Satz: „Sie sind doch die mit der Fliege, oder?“

Ja, das ist sie. Die mit der Fliege. Und das kam so: Am 7. Oktober 2011 moderierte Petra Albrecht die Lokalzeit. So wie immer. Aber da war ein Studiogast, den niemand – sagen wir mal so: auf dem Schirm hatte. Eine dicke, fette, schwarze Fliege. Die summte umher und irritierte die gesamte Crew. Jeder Versuch, sie einzufangen, misslang. Und Petra amüsierte das sichtlich. Es kam, was kommen musste: ein beginnender Lachkrampf. Sichtlich bemüht, das Lachen zu unterdrücken, erklärte sie, was gerade passierte: „Wir haben hier gerade eine dicke Fliege im Studio.“

Damit hätte das Ganze erledigt sein können. Aber als sie dann den folgenden Beitrag ankündigen sollte, in dem es um den Moderator Jürgen Fliege ging, war es mit der Beherrschung vorbei. Der Rest ist TV-Geschichte und hier noch mal zu sehen. So wird man, das hat sie da gelernt, dank einer simplen Fliege noch bekannter, als man es eh schon ist.

Petra Albrecht hat im Laufe der Jahre eine treue Fan-Gemeinde aufgebaut. Sie wurde mit ihrer abendlichen Sendung zum vertrauten Gast bei den Menschen. Erkennen Zuschauer sie auf der Straße – was manchmal, aber nicht zu oft vorkommt – grüßen viele zurückhaltend mit einem freundlich „Also bis später“. Als ich einmal dabei war und das hörte, wusste ich zuerst nicht, was gemeint war. Bis Petra es mir erklärte: Das war jemand, der abends die Sendung sehen würde.

Die gelernte Journalistin hat mehr als 30 Jahre für den WDR gearbeitet, vor allem für die regionale Sendung. Darin werden Themen aus Düsseldorf und Umgebung abgedeckt. Ihr kam das sehr entgegen: Sie lebt in Düsseldorf, stammt aber aus dem Bergischen Land. In Remscheid wurde sie geboren, machte dort nach der Mittleren Reife zuerst eine Ausbildung als Vermessungstechnikerin und arbeitete ein paar Jahre in diesem Beruf im Katasteramt. Es folgten Abitur, Studium der Germanistik und Politologie in Wuppertal, freie Mitarbeit bei einer Zeitung, schließlich ein Praktikum beim WDR. Bei einem Casting bekam sie ihre Chance und wurde zur Moderatorin.

Das Leben nach dem WDR wird neu strukturiert sein. Seit Jahren spielt sie Golf, reist mit ihrem Mann, einem Unternehmer in der Textilbranche, gern und viel (zuletzt Südafrika) und wird bald regelmäßig in der Heinrich-Heine-Uni sein. Denn sie will sich für das Fach Jiddistik einschreiben. Weil die Sprache der orthodoxen Juden und diese Religion sie schon lange faszinieren und sie nun endlich tiefer einsteigen möchte. Mit der zuständigen Dozentin hat sie bereits gesprochen. Ihr wichtigstes Anliegen: Nehme ich einem anderen einen Studienplatz weg? Nein, tut sie nicht, sie ist sehr willkommen als nicht mehr ganz so junge Studentin.  

Wenn sie nun am Abend des 26. April zum letzten Mal vor der Kamera steht, sind es exakt 30 Jahre – denn ihr erster Auftritt in dieser Funktion war am 26. April 1993.


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