Pastor Stephan Pörtner begleitet eine Urne zum Grab. Die Stadt hat keine Angehörigen der Verstorbenen finden können, Stephan Pörtner ist allein auf der Beerdigung. Foto: Markus Luigs
Pastor Stephan Pörtner begleitet eine Urne zum Grab. Die Stadt hat keine Angehörigen der Verstorbenen finden können, der Geistliche ist allein auf der Beerdigung. Foto: Markus Luigs

Einzig und allein

Die gemeinsame Erinnerung an Verstorbene gehört zum Wesen einer Beerdigung. Dass man sich im Arm hält, sich gegenseitig Trost spendet. Was aber ist, wenn keiner kommt?

Von Alexandra Wehrmann
Veröffentlicht am 20. August 2021

An einem Dienstag im August steht Pastor Stephan Pörtner vor der Kapelle auf dem Südfriedhof. Die Luft riecht nach Regen, der in der Nacht zuvor reichlich gefallen ist. Das Gezwitscher der Vögel mischt sich mit dem Verkehrsrauschen des nahen Südrings. 30 Jahre ist Pörtner schon in Diensten der katholischen Kirche. Hunderte von Menschen hat er in der Zeit unter die Erde gebracht. Nach Stationen in Köln-Chorweiler und dem eher ländlich geprägten Lindlar wirkt der 55-Jährige seit 2015 in Düsseldorf. Der Kirchenmann ist in vollem Ornat angereist: schwarzer Talar, weißes Chorhemd, um den Hals eine Stola. Die dunklen Schuhe selbstredend blitzeblank. In der Hand hält der Pastor einen Zettel, auf dem die Daten der Verstorbenen notiert sind. Maria Luzia L., geboren am 12. April 1930 nahe dem sauerländischen Olpe, gestorben am 11. Juni 2021 in Düsseldorf. Zuletzt wohnhaft im Martinstift. „Offenbar war sie nicht verheiratet. Jedenfalls ist hier kein Geburtsname notiert“, sagt Pörtner, während er auf seinen Zettel schaut. Darüber hinaus kann er über die Biografie von Frau L. nur spekulieren. Aus welchem Grund kam sie aus dem Sauerland nach Düsseldorf? Wie ist ihr Leben verlaufen? Wer war in den letzten Stunden an ihrer Seite? „Ich weiß es schlicht und ergreifend nicht.“

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