fbpx

Die Lakritz-Boutique

Sebastian Marczinzik hat in Flingern ein Geschäft eröffnet, das Süßholz in allen Varianten anbietet: von Schokolade umhüllt, als Eis, Limonade und Likör, mit Rosmarin, Chili – oder ganz viel Salz. Der Laden ist so beliebt, dass der Inhaber dort mehr Geld verdient als im Internet.

Veröffentlicht am 18. September 2023
Lakritz-Boutique in Düsseldorf
Die Auswahl im Geschäft an der Dorotheenstraße schafft eine Gemütsruhe, die nicht aus dieser Zeit zu stammen scheint. Foto: Andreas Endermann

Wer den Laden an der Dorotheenstraße 14 betritt, bleibt länger. Sie oder er nimmt sich ein Papiertütchen und schleicht an dem Regal mit den vielen Gläsern entlang. Wählt eine Zange, schraubt einen Deckel ab, greift ein paar Süßigkeiten und hebt sie ins Tütchen. Der Deckel kommt wieder drauf, der Kopf bewegt sich ein wenig in jede Richtung, dann hat sie oder er das nächste Glas gefunden.

Es ist ein ganz normaler Mittwochnachmittag, an dem ich die Kund:innen in der Lakritz-Boutique beobachte. Sie haben eine Gemütsruhe, die nicht aus dieser Zeit zu stammen scheint. Die Szenen ähneln dem Besuch eines Büdchens vor einigen Jahrzehnten, als man sich sehr langsam für die Zutaten der gemischten Tüte entschied und die Nerven des Mannes mit der Zange reichlich dehnte. „… und dann noch für 20 Pfennig …. von den … Salinos.“

In Flingern gibt es auch Männer, die helfen, in aller Regel aber mündlich. Die neuen Besucher:innen möchten wissen, wie etwas schmeckt und bekommen Anhaltspunkte. Stammkund:innen fragen, ob sie eine Süßigkeit schon mal hatten. Wobei sowohl Ja als auch Nein ein Argument dafür ist, etwas in die Tüte zu packen. 

Die Lakritz-Boutique ist der Ort, an dem Düsseldorfer:innen einen Geschmack wieder entdecken, den viele lange vergessen hatten. In ihrer Kindheit aßen sie Schnecken oder Salinos, führten dann aber ein lakritz-freies Leben. Dass man es überhaupt vermisst hat und wie sehr man es mag, merkt man erst, wenn man am Regal das Probieren beginnt.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

Da unser Journalismus werbefrei und unabhängig ist, können wir ihn nicht kostenlos anbieten. Deshalb bitten wir Sie an dieser Stelle darum, unsere Arbeit zu unterstützen und eines unserer Abos abzuschließen oder diesen Artikel einzeln zu kaufen. Sie können per Paypal, Sepa-Lastschrift oder Kreditkarte bezahlen.

Start-Abo: 6 Monate für 1 Euro

Artikel einzeln kaufen

Schon Mitglied, Freundin/Freund oder Förderin/Förderer?

Hier einloggen


Lust auf weitere Geschichten?