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MSV Düsseldorf: Spitzenklub fehlt die Tiefe des Raums

Der Verein aus Eller hat sich bis in die Oberliga vorgekämpft und eine große Jugendabteilung aufgebaut. Allerdings muss er sich seinen Platz mit drei anderen Vereinen teilen. Auf Anfrage signalisiert die Stadt wenig Hilfe.

Veröffentlicht am 29. August 2022
Platzanlage MSV Düsseldorf
Der MSV Düsseldorf kann auf dem Platz an der Heidelberger Straße meist nur auf dem halben Platz trainieren. Bis zu vier Nachwuchsmannschaften sind dort parallel im Einsatz. Foto: Andreas Endermann

Am Zaun des Fußballplatzes an der Heidelberger Straße hängt ein Plakat, das offensichtlich mit Stolz gestaltet und befestigt wurde. „Oberliga, wir kommen“, steht darauf und verkündet, was der dort beheimatete MSV Düsseldorf im Sommer erreicht hat: den Aufstieg in die fünfthöchste Spielklasse. Als ich die Anlage hinter dem Zaun besuche, habe ich zunächst den Eindruck, dass der sportliche Erfolg eine große Wirkung hat, denn auf dem Feld kicken jede Menge Kinder und Jugendliche. Dann lerne ich dazu: Dem MSV Düsseldorf steht nur der halbe Platz zur Verfügung und dort trainieren bis zu vier seiner Mannschaften gleichzeitig. Jede in einer Ecke. Des halben Platzes.

Um zu verstehen, wie ungewöhnlich die Situation ist, möchte ich zwei Dinge erläutern:

  • Die Liga und ihre Bedeutung Wie erwähnt spielt der MSV Düsseldorf nun in der Oberliga, er gehört damit zu den drei Spitzenklubs der Stadt. Die Fortuna spielt mit ihrer ersten Mannschaft in der Zweiten Fußball-Bundesliga und mit der Zweiten in der Regionalliga West (das ist die vierhöchste Spielklasse). Dahinter folgen Turu und der MSV Düsseldorf, die beide in der Oberliga Niederrhein spielen.
    Dass der MSV nun so hochklassig spielt, hat sich auch bei Spielern rumgesprochen, die den Profifußball aus eigener Anschauung kennen. Zum aktuellen Kader zählen Assani Lukimya (früher unter anderem bei Fortuna und Werder Bremen) und Mehmet Boztepe (Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund).
  • Die Geschichte Der MSV Düsseldorf trägt das Jahr 1995 im Wappen. Damit verweist er auf seine Wurzeln. Mitte der 90er-Jahre wurde in Düsseldorf der erste marokkanische Fußballverein gegründet: der MSV Hillal. Später kam der FC Maroc als zweiter marokkanischer Klub hinzu. Die beiden schlossen sich 2016 zusammen und übernahmen den Platz des FC Maroc in der Bezirksliga. Ein Jahr später schafften sie gemeinsam den Sprung in die Landesliga. Dort wurde der MSV nun im Sommer mit 16 Punkten Vorsprung Meister und stieg so in die Oberliga auf.
    Nachdem die beiden Vereine fusioniert waren, konzentrierten sie sich voll auf die Jugendarbeit. Heute hat der MSV Düsseldorf in jeder Stufe des Jugendfußballs zwei Mannschaften. Die Teams von A- bis C-Jugend haben sich gerade für die Leistungsklasse qualifiziert. Der Nachwuchs des MSV hat – natürlich auch mit Blick auf die Chance, dort später Oberliga zu spielen – eine hohe Anziehungskraft auf junge Spieler im Umfeld, in Eller, Hassels oder Reisholz. Sogar aus Wuppertal kommen Akteure an die Heidelberger Straße.

Die Kehrseite der erfolgreichen Nachwuchsarbeit ist der Mangel an Platz. Der MSV Düsseldorf muss sich die Anlage mit drei weiteren Vereinen teilen. Dort trainieren auch der SC Düsseldorf, DJK Rheinland 05 und die American-Football-Mannschaft der Bulldozer. Deshalb bleibt meist nur das halbe Feld – und das für bis zu vier Mannschaften. Jede Auswärtsfahrt sei deprimierend, erzählen mir die Verantwortlichen. Wenn man nach Velbert oder Büderich komme, sehe man auf der Anlage mehrere Felder, die die Vereine nutzen könnten. Allein. Selbst die Absteiger aus der Landesliga hätten bessere Bedingungen gehabt als der Meister MSV.

Die Probleme setzen sich auch am Rande des Spielfelds fort. Der MSV hat kein Kassenhäuschen, das heißt die Menschen, die dort Karten verkaufen, sitzen im Sommer unter Sonnen- und im Winter unterm Regenschirm. Ein Stand, an dem man Essen verkaufen könnte, ist auf der Anlage auch untersagt, deshalb stehen Grill, Bänke und Tische vor dem Fenster des kleinen Raums, den der MSV auch für seine Sitzungen nutzt. Vorstand, Trainer und Mitglieder machen all das mit großem Engagement (und Humor) wett, aber die Improvisationskünste binden viel Kraft, die man in die Entwicklung des Vereins stecken könnte.

Was würde dem Klub helfen?

  1. Ausbau der Anlage: Der Fußballplatz an der Heidelberger Straße grenzt an das Gelände der Dieter-Forte-Gesamtschule, die mittlerweile mehr als 50 Jahre alt ist und deshalb umgebaut werden soll. Im Zuge dessen könnte man auf einem Teil der Fläche ein Kunstrasenfeld für die Jüngsten schaffen und damit das Gedränge auf dem Hauptplatz verringern.
  2. Training bei anderen Vereinen: Die Oberliga-Mannschaft absolviert zwei Übungseinheiten pro Woche beim VfL Benrath. Weitere Ausweich-Termine für das Top-Team oder die älteren Jugendlichen würden helfen. Bisher hat der MSV Düsseldorf auf seine Anfragen nur ein Angebot bekommen – allerdings werden dort mehrere tausend Euro pro Monat als Preis für zwei Trainingseinheiten pro Woche aufgerufen. Andere Vereine geben an, keine Kapazitäten auf ihren Plätzen frei zu haben, alle Zeiten seien belegt.

Wie reagieren die Stadt und das Sportamt?

Ich habe bei der Stadt zu den verschiedenen Punkten und möglichen Lösungen angefragt. Das waren die Fragen und Antworten:

Mehr Raum? Antwort: „Aktuell kann dem Verein MSV Düsseldorf über die zur Verfügung gestellten Kapazitäten hinaus kein zusätzlicher Raum für seine Trainingszeiten auf den vom Sportamt verwalteten Sportanlagen angeboten werden.“

Möglichkeiten auf dem Gelände der Dieter-Forte-Gesamtschule? Antwort: „Im unmittelbaren Umfeld und auf dem Gelände der Dieter-Forte-Gesamtschule stehen leider keine weiteren Möglichkeiten zur Verfügung.“

Hilfe mit Blick auf die hohen Mietforderungen für andere Plätze? Antwort: „Grundsätzlich besteht für die Vereine durchaus das Recht, Mieten für die Nutzung der überlassenen Plätze zu erheben. Die Stadt steht hier jedoch auch gerne für vermittelnde Gespräche bereit.“

Kontrolle der Angaben der Vereine zur tatsächlichen Belegung ihrer Plätze? Antwort: „Für die sogenannten Vereinssportanlagen, die vollständig von den dort beheimateten Vereinen betrieben und unterhalten werden, ist eine derartige Kontrolle durch die Stadt nicht möglich. Das Recht zur Vergabe liegt hier ausschließlich beim Verein. Aber auch steht die Stadt gerne für eine Beratung und eine Begleitung möglicher Gespräche zwischen dem MSV Düsseldorf und den Vereinen zur Verfügung.“


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