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Mein Bekannter, der Neo-Nazi

Gernot Mörig, früherer Zahnarzt aus Düsseldorf, hat in Potsdam ein Treffen von Rechtsextremen und ranghohen AfD-Mitgliedern organisiert, bei dem über die „Remigration“ von Menschen mit Migrationshintergrund diskutiert wurde. Das berichtet das Recherche-Netzwerk Correctiv. Ich habe Mörig vor einigen Jahren privat kennengelernt.

Von Hans Onkelbach (Text)
und Andreas Endermann (Foto)
Veröffentlicht am 11. Januar 2024
Gernot Mörig
Gernot Mörig in einem medizinischen YouTube-Video aus dem Jahr 2016.

Es war ein Tag, den ich nicht vergessen werde, denn er war perfekt. Ein Freund machte vor wenigen Jahren während der Festspiele Ferien in der Nähe von Salzburg und hatte Karten für den „Jedermann“ besorgt. In der Hauptrolle: Tobias Moretti. Den wollten wir unbedingt sehen. Zumal die weibliche Hauptrolle, die Buhlschaft, von der großartigen Stefanie Reinsperger gespielt wurde, seinerzeit Lebensgefährtin eines engen Freundes. Bevor wir zur Freilichtbühne auf dem Domplatz gingen, trafen wir uns bei lauer Abendluft im Garten eines Restaurants zu einem Aperitif. Dabei wurde mir ein Mann vorgestellt, den ich bis dato nicht kannte: Gernot Mörig, Zahnarzt aus Oberkassel. Er war mit seiner Frau dort und wir verstanden uns auf Anhieb. Das Gespräch war angeregt und interessant.  

Mörig hatte offenbar großes Interesse daran, mich näher kennenzulernen. Anfangs meinte ich zu erkennen, warum: Als Düsseldorfer Zahnarzt suchte er die Nähe zu mir, dem Journalisten aus seiner Heimatstadt. So etwas ist mir oft passiert, und aus der Erfahrung heraus wusste ich, damit umzugehen. In seinem Fall fand ich es nützlich für beide Seiten: Er erzählte mir von einem neuen Verfahren, das er gemeinsam mit einem Kollegen entwickelt hatte, scheinbar unrettbare Zähne zu reanimieren. Weil solche Gesundheits-Themen immer gut laufen (wie wir Journalisten sagen), vereinbarten wir locker, uns bald in Düsseldorf zu treffen.

So kam es auch. Ich war in seiner Praxis an der Schanzenstraße, er demonstrierte mir seine angeblich neue Methode. Daraus wurde ein Bericht in der „Rheinischen Post“, für die ich in dieser Zeit noch arbeitete. „Zurück zu den Wurzeln“ lautete die Überschrift.

In den Tagen danach sprachen wir mehrfach miteinander. Mörig lud mich zum Essen ein und versuchte, ein Treffen zu viert auf seinem Bauernhof in Bayern zu organisieren, wo er meist lebte. Ob wir tatsächlich gemeinsam gegessen haben, weiß ich nicht mehr, der Besuch in Bayern kam nicht zustande. Ich wäre gern hingefahren, hatte aber keine Zeit. Danach endete der Kontakt. Mit der Praxis hat er kurz darauf jede Verbindung abgebrochen, seine Adresse in Düsseldorf hat er aufgegeben.

Zu keiner Zeit hatte ich bei unseren Treffen nur ansatzweise den Eindruck, der Mann könnte in seinen Ansichten extrem sein. Vermutlich, weil wir nicht über Politik gesprochen haben. Wenn ja, wäre mir sicher aufgefallen, wie er denkt. So hatte ich keine Ahnung. Nun habe ich erfahren, dass der Mann ein Neonazi ist. Man könnte auch sagen: ein Nazi. Denn ich habe ein Zitat von ihm gefunden, in dem er „Ich bin seit meinem sechsten Lebensjahr dabei“ sagt. Dabei heißt: Er war und ist in Gruppen, gegen die die AfD liberal wirkt, ganz klar in völkischem, nazi-nahem Gedankengut verhaftet. Das gilt übrigens für die gesamte Familie: Seine Frau und alle Kinder sind ebenfalls in dieser Szene aktiv.  

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