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Facebook-Seite Jons Ulrich Kulik
Eine Facebook-Seite unter dem Namen Jons Ulrich Kulik. Sein Sohn hat sie angelegt - und hofft, damit seinen Vater wieder zu finden. Bisher erfolglos. Foto: Andreas Endermann

Wie ich das Drehbuch für einen Gauner schrieb

Die neue Folge unseres Podcasts "Kohle, Knast & Kaviar" handelt von Jons Ulrich Kulik, einem Betrüger und Meister des Verschwindens. Für mich ist der Fall mit einer besonderen Erinnerung verbunden. Kulik wollte seinen Stoff verfilmen und engagierte mich als Drehbuchautor.

Von Hans Onkelbach
Veröffentlicht am 11. November 2022

Sein Name: Jons-Ulrich Kulik. Dass ich ihn traf, ist viele Jahre her. Dennoch habe ich ihn nie vergessen. Wie schnell und gründlich er abtauchen konnte, habe ich mehrfach erlebt.

Es ist Ostern 1983, als in Düsseldorf ein Kriminalfall beginnt, der über Monate und Jahre immer wieder Schlagzeilen verursacht und mich zum Drehbuchautor werden lässt. Der Täter, Jons-Ulrich Kulik, wird nach turbulenten Wochen und Monaten im Ausland gefasst und in Düsseldorf vor Gericht gestellt. Dort sehe ich ihn erstmals. Staunend höre ich seine Aussagen im Prozess und bekomme eine Ahnung, wie er Banker in der Schweiz und in Deutschland aufs Kreuz legte. Womöglich auch noch in anderen Ländern. Eine absolut faszinierende Story tut sich da vor mir auf, als Polizei- und Gerichtsreporter erlebe ich mehrere Protagonisten hautnah und schreibe über den Prozess. 

Als das Urteil fällt, endet auch für mich dieser Fall. Das glaubte ich jedenfalls. Bis einige Zeit später mein Telefon klingelt. Am anderen Ende ist – Jons-Ulrich Kulik. Zuerst glaube ich an einen Scherz, aber dann erkenne ich die Stimme wieder. Ich habe sie ja mehrfach im Gerichtssaal gehört. 

Er will mich treffen. 

Natürlich sage ich zu, wenige Tage später sitzen wir in einem Solinger Restaurant. In diese Stadt hat er mich eingeladen, weil dort ein Verwandter von ihm eine Firma betreibt: Cobra-Film. Das Unternehmen produziert Industrie-Filme. Im Foyer der Firma steht in einem Glaskasten eine ausgestopfte Cobra, den Hals in der typischen Angriffsposition erhoben.

Im Restaurant wird mir klar, dass die Geschichte des Jons-Ulrich Kulik für mich noch lange nicht vorbei ist. Denn er möchte seinen Fall, sein Leben verfilmen. Dafür hat er bereits Kontakt aufgenommen zu einflussreichen Leuten in Hollywood, und er weiß auch schon, wer seine, also die Hauptrolle spielen soll: Robert Redford. Eine gute Wahl, wie ich finde, weil Redford Kulik durchaus ähnlich sieht. 

Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon die Bilder: Kulik im Umgang mit Bankern, mit Koffern voller Geld, und vor allem diese Flucht aus dem Gefängnis, für die er keine Bettlaken, keine Feile und auch keine Gewalt brauchte, sondern nur Cleverness und Frechheit. Ich kenne all das und kann es haarklein beschreiben, ich habe ja mit den Beteiligten gesprochen.

Über etliche Wochen treffen wir uns immer wieder. Er erzählt, und ich tippe wie wild auf einer IBM-Kugelkopf-Schreibmaschine. Über das Honorar, eine fürstliche Summe, haben wir uns vorab geeinigt. Für die Story, die ich natürlich verfremden muss, nehme ich als Vorbild einen Roman vom seinerzeit sehr erfolgreichen deutschen Schriftsteller Johannes Mario Simmel. Der hatte in den 1950er Jahren einen Roman unter dem Titel „Es muss nicht immer Kaviar sein“ geschrieben. Darin schildert er das – in Teilen – fiktive Leben eines Gentleman-Gauners namens Thomas Lieven vor und während des Zweiten Weltkriegs sowie danach. 

Kulik hat große Ähnlichkeit mit diesem Mann, und daher entwerfe ich die Geschichte eines Betrügers, der sehr erfolgreich, aber im Grunde keinesfalls ein Bösewicht ist und nicht wirklich Schaden anrichtet, sondern vor allem Banker betrügen kann, weil er ihre Gier erkennt und ausnutzt. Die vielen Gespräche mit Kulik sind nie langweilig, das Drehbuch wird immer dicker … 

Was daraus und aus Kulik geworden ist? 

Falls Sie das erfahren möchten, hören Sie sich unseren neuen VierNull-Podcast zu Kulik unter dem erneut sehr passenden Titel „Kohle, Knast & Kaviar“ an. Dort gibt es die komplette Story mit allen Details.  

Links zum Podcast

Spotify: #6 Catch Kulik if you can – Kohle, Knast & Kaviar | Podcast auf Spotify

Apple: Kohle, Knast & Kaviar: #6 Catch Kulik if you can auf Apple Podcasts

Audio Now: Kohle, Knast & Kaviar | AUDIO NOW

Amazon: #6 Catch Kulik if you can-Kohle, Knast & Kaviar (amazon.de)

Podcast.de: #6 Catch Kulik if you can ~ Kohle, Knast & Kaviar Podcast

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