Entwurf neue Oper Düsseldorf

Forum zur neuen Oper in Düsseldorf

„Die Oper an sich und auch den Standort finde ich für die Stadt Düsseldorf eine enorme Bereicherung. Ich bin sehr häufig mit dem Rad am Wehrhahn unterwegs und finde, die Oper wird dieses Stück sehr aufwerten. Wir haben uns vorgestern mal alle Entwürfe angeschaut. Im Großen und Ganzem unterscheiden sie sich nicht allzu viel. Ich würde mich freuen, wenn es so umgesetzt wird und wir in Düsseldorf vom Rhein, durch die Altstadt, über die Kö bis hin zum Wehrhahn „flanieren“ können.“
Astrid Thyssen

„Vorab – als Mitglied des Seniorenrates durfte ich bei allen Sitzungen der Jury mit meiner Kollegin dabei sein, natürlich nicht als stimmberechtigtes Mitglied. Dass Sie dazu ein Forum machen finde ich gut. Die jetzt ausgewählten beiden Topentwürfe waren auch meine Favoriten. Man hat jetzt das bekommen, was man durch Befragungen und Wunschdenken ermittelt hat. Oper für jeden, dritter Ort etc. Da kann man nur sagen: you get what you ask for.“
Norbert Zeitz

„Der eine möchte die Oper ganz abwickeln, weil sie zu teuer wird. Der andere sieht darin kein Problem, aber nur wenn sie nicht in einer ordinären Einkaufsgegend, sondern im elitären Hafenviertel gebaut wird. Da ist man dann unter sich. Meine Meinung: Eine moderne Kultureinrichtung wie die neue Oper sollte alle Düsseldorfer:innen ansprechen und deshalb dahin, wo das Leben spielt: Am Wehrhahn. Wenn es dann noch eine Spur preiswerter würde, wäre ich zufrieden und stolz auf unsere tolle Stadt!“
Peter Waldhoff

„Auch ich finde den Standort am Wehrhahn mehr als unglücklich neben dieser Milliarde, die hier im Raum steht. Eine Oper einer Landehauptstadt hat auch m.E. die Aufgabe atmosphärisch zu repräsentieren – aber dort? Eigentlich würde ich für den bisherigen Standort plädieren unter Aufopferung einiger Bäume im Hofgarten, da ja auch mehr Platz benötigt wird. Aber leider ist das Umfeld Heinrich-Heine-Allee an diesem Standort auch nicht besonders prickelnd, wenn man nach der Vorstellung das Haus verlässt. Es ist zwar auf der gegenüberliegenden Seite zum Glück besser geworden. Kess gesagt, würde ich für eine Untertunnelung der Allee plädieren und dann aus der neuen Fläche etwas ganz besonders Spektakuläres gestalten – einen Boulevard mit einem ganz besonderen Flair: Skulpturen, Gastro-Pavillons, Bepflanzung.

Hier ist es doch so, dass das Publikum eiligst nach der Vorstellung zu Parkhäusern bzw. U-Bahnen eilt um schnell wegzukommen. Genau dieses würde ich am Wehrhahn auch machen. Nein, nein – um Gottes Willen nicht am Wehrhahn. Am Rhein schön und gut, aber wo?

Mich tröstet dabei, dass ich all dies altersbedingt eh nicht mehr erleben werde. Also: macht, wat er wollt!“
Albrecht Korff

„Zum kulturellen Reichtum unserer Stadt gehört auch eine Oper, genauso wie das AK47 auf der Kiefernstraße, eine prämierte Stadtbücherei, die Akademie sowie kreative Kunst- oder Musikprojekte. Und dass sich Düsseldorf in heutigen Zeiten eine Investition von zwei Milliarden Euro zutraut, ist eine gute Nachricht. Dieses Geld aber exklusiv für eine sehr spezielle und nur von einem recht kleinen und tendenziell schwindenden Teil der Stadtgesellschaft genutzte Kunstform ausgegeben werden soll, überzeugt mich dagegen überhaupt nicht.

Schon jetzt beansprucht die Oper den größten Einzelposten im Kulturetat, obwohl andere Einrichtungen wie der Aquazoo oder die freie Szene mit einem Bruchteil des Aufwandes weitaus mehr Besucher*innen, vor allem aber weitaus breitere Schichten erreichen. Mit einer doppelt so großen Oper wird es nicht günstiger.

Würden die Bürger*innen gefragt, was denn unsere Stadt braucht, dann kämen sicher viele sinnvolle Vorschläge, vermutlich zu bezahlbarem Wohnraum, besserer Verkehrsinfrastruktur und, und… Ein Opernneubau läge sicherlich nicht auf den vorderen Plätzen, wenn er überhaupt erwähnt würde.

Daher ist jetzt ist eine gute Gelegenheit die Menschen in unserer Stadt zu befragen und entscheiden zu lassen. Die Fakten liegen (fast) alle auf dem Tisch, es gibt einen Standort, einen prämierten Siegerentwurf und einen angestrebten Kostenrahmen. In Vorbereitung eines Bürgerentscheides käme es sicherlich zu einer breiten Debatte, die ganz viele unterschiedliche Aspekte deutlich macht.

Welche Kompetenzen da in der Stadtgesellschaft vorhanden sind, zeigt sich schon jetzt in den vielseitigen Argumenten in den Leserbriefen und Social-Media-Posts. Auch die Parteien, Jugendverbände, zivilgesellschaftliche Organisationen wie die Jonges oder der Rat der Künste, Kulturmacher und Stadtplanerinnen könnten ihre Expertise einbringen. Mich würde es interessieren.

Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen. Eigentlich sollten nur die Menschen unter 30 über dieses Projekt entscheiden, denn sie wären ja die zukünftigen Nutzer*innen, müssten mit dem „Klotz“ leben und werden ihn bezahlen müssen. 50 Jahre lang, täglich mit mehr als 100.000 Euro.“
Jochen Molck

„Ich bin absolut gegen den Standort Wehrhahn.  Unattraktives Umfeld, viel zu teuer für ein weniger werdendes Klientel. Wieso ist es nicht möglich, die alte Oper vernünftig zu sanieren? Der Standort ist doch perfekt.“
Axel M. Schäfers

„Ich gehe gerne und viel in die Oper.  Allerdings gehörte ich, so glaube ich, zu einer aussterbenden Generation. Wenn ich mir das Publikum anschaue, sind die meisten Ü 60.

Der Neubau ist furchtbar – der Standort ist furchtbar – die Baukosten für den Klotz sind viel zu hoch und bis zum Bauende kommen Milliarden dazu.  Das Geld wäre an anderen Stellen besser aufgehoben und investiert. Wer setzt sich jetzt für einen Bürgerentscheid ein?

Ich würde mich gerne anschließen und ich glaube, die meisten Düsseldorfer sind ebenfalls dagegen.“
Ursula Sondermann

„Ich möchte ausdrücklich meine Unterstützung für den ausgewählten Standort der neuen Oper aussprechen. Mit dieser Entscheidung wird ein Stück Innenstadt städtebaulich aufgewertet und sinnvoll belebt. Die Lage in unmittelbarer Nähe zum Hofgarten und zum geschichtsträchtigen Malkasten passt hervorragend zu einem kulturellen Leuchtturmprojekt wie diesem. Auch international liegen Opernhäuser erfolgreich in dicht bebauten Innenstadtlagen – die Mailänder Scala oder die Londoner Royal Opera in Covent Garden sind dafür prominente Beispiele. Dort trägt gerade die urbane Umgebung zur Lebendigkeit der Stadt bei. Zudem fielen die Grundstückskosten meines Wissens nach moderat aus – ein nicht zu vernachlässigender Aspekt.

Und es gibt eine charmante Düsseldorfer Besonderheit: Die Verbindung von Kaufhaus und Kunst ist Teil unserer Stadthistorie. Im Kaufhaus Tietz an der Kö wurde einst ein „Kunstsalon“ etabliert – sogar mit Werken von Chagall und Picasso. An einem Ort, an dem zuletzt ein leerstehender Kaufhof stand, wieder Kultur zu verankern, erscheint daher als eine schlüssige und mutige Entscheidung für unsere Stadt.“
Armin Klöfer, Düsseldorf

„Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Oper, so wie sie gegenwärtig geplant ist, gebaut wird. Maßgeblich dafür sind vor allem folgende Erwägungen:

1. Der Standort auf dem – übrigens völlig überteuert erworbenen – ehemaligen Benko-Grundstück am Wehrhahn ist ungeeignet. Zum einen widerspricht es dem die „Kulturmetropole Düsseldorf“ prägenden Grundsatz, Kulturgebäude am „blau-grünen Ring“, also am Rhein oder entlang der von Maximilian Weyhe entworfenen Parkanlagen, anzusiedeln. Vor allem aber wird es nicht dazu führen, die Einkaufsmeile Schadowstraße/Am Wehrhahn aufzuwerten. Denn ein Opernbesuch verbindet sich im Normalfall nicht mit einem Einkaufserlebnis; insofern wäre es sicherlich besser gewesen, wenn an dieser Stelle – wie ursprünglich ja auch geplant – ein Bürohochhaus und damit ein Frequenzbringer für die Einkaufsstadt Düsseldorf entstanden wäre.

2. Snøhetta hat eine ganze Reihe wirklich spektakulärer Kulturbauten entworfen. Besonders hervorzuheben ist dabei natürlich die Osloer Oper. Eingezwängt in die Zweckbauten der Düsseldorfer Innenstadt kann allerdings auch die Architektur von Snøhetta keine Strahlkraft entfalten, sondern wirkt eher deplaziert. Der Snøhetta-Entwurf für die Oper am alten Standort, der vor einigen Jahren von Centrum vorgestellt wurde, wäre hingegen in der Tat ein architektonisches Highlight gewesen.

3. Alle Möglichkeiten zur Reduzierung der Baukosten sollten genutzt werden. Dies muss keineswegs zu Lasten der städtebaulichen Attraktivität eines neuen Opernhauses gehen. Der bereits erwähnte Centrum/Snøhetta-Entwurf verband kulturelle und kommerzielle Nutzungen, wodurch die Kosten für die Stadt deutlich reduziert werden konnten. Ein wesentlicher Kostentreiber beim Bau der neuen Oper ist das angebliche Erfordernis zweier Seitenbühnen. Diese Seitenbühnen werden freilich nur dann benötigt, wenn „Repertoire“, also jeden Abend ein anderes Stück gespielt wird. Wenn man eine Produktion mehrmals hintereinander – also „en suite“ – spielt, fällt dieses Erfordernis weg. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der technische Fortschritt auch vor dem Opernbetrieb nicht Halt macht. Wer weiß, ob nicht in naher Zukunft das Bühnenbild nicht mehr handwerklich hergestellt, sondern als digitale Illusion geschaffen werden kann? In diesem Falle wären die zwei Seitenbühnen selbst dann verzichtbar, wenn weiterhin Repertoire gespielt wird.

4. Die Kosten einer neuen Oper, so wie sie gegenwärtig geplant ist, sind für die Stadt nicht nur kaum kontrollierbar, sondern definitiv zu hoch. Selbst wenn der Kostenrahmen von 1 Milliarde Euro eingehalten würde, werden die Betriebskosten immer weiter steigen und mit Sicherheit in einer Größenordnung von 50 Millionen Euro pro Jahr liegen. Insofern sollte dem Bau einer neuen Oper nur dann zugestimmt werden, wenn er einhergeht mit einer grundlegenden Reform des Opernbetriebs. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es insgesamt 15 Opernbühnen. Das ist ein dramatisches Überangebot, wenn man bedenkt, dass das Publikum einigermaßen überschaubar ist. Ein Oberneubau sollte daher als Gelegenheit genutzt werden, die Vorteile einer Zusammenarbeit – wie sie in Ansätzen bereits in der „Opernehe“ zwischen Düsseldorf und Duisburg realisiert werden – viel breiter nutzbar zu machen. Wieso schaffen wir nicht eine Deutsche Oper am Rhein mit zwei Hauptspielstätten in Düsseldorf und Köln und zwei Nebenspielstätten in Bonn und Duisburg, mit einer gemeinsamen Intendanz, einem gemeinsamen Ensemble, gemeinsamen Produktionen (die dann reihum en suite gespielt werden), zusammengelegten Werkstätten, Fundi etc. Die künstlerische Qualität würde darunter gewiss nicht leiden; im Gegenteil: das im Verwaltungsbereich eingesparte Geld könnte man – zum Teil jedenfalls – in die künstlerische Produktion stecken und damit die Strahlkraft der Kultur im Rheinland sogar insgesamt erhöhen.

Selbstverständlich erfordern solche Reformen Fantasie und politischen Mut. An beidem scheint es den Düsseldorfer Opernplanern zu fehlen.“
Thomas Geisel

„In den nächsten Jahren wird es landauf landab ein Opernsterben geben. Eine Kommune nach der anderen wird das teure Angebot für eine doch relativ kleine und kleiner werdende Zielgruppe aufgeben. Es werden nur Opern überleben, die sowohl baulich als auch künstlerisch überregionale Strahlkraft entwickeln. Düsseldorf sollte den Mut haben, so etwas zu bauen. Das geht aber nicht am Wehrhahn auf Benkos Resterampe. Übrigens: Grundstücke lassen sich auch wieder verkaufen.“
Lutz Cleffmann

„Ich kann verstehen, dass ein solches Projekt die Gemüter der Bürger bewegt. Erstens ist eine Oper der Begegnungsraum der Bürgerschaft (wenn auch meist der besser betuchten).  Zweitens ist es ein großes, Stadtprägendes und teures Projekt bei dem die Bürgerschaft zurecht mitreden will. Und drittens schauen viele auf die schlechten und teuren Erfahrungen anderer Metropolen.

Alles in allem ein Projekt, bei dem sich substanzielle Bürgerbeteiligung aufdrängt! Ich meine eine Beteiligungsform bei der die vielfältigen, nicht selten sachfremden Interessen und Absichten diverser Beteiligter (Egoismen, Emotionen, Parteien, Ideologien, Politik), außen vorbleiben.

Das für eine solche Situation am besten geeignete Format ist m.E. das des Bürgerrats. Hier treffen zufällig geloste Bürgerinnen und Bürger z.B. für eine Woche zusammen um sich fachkundig begleitet und moderiert mit allen Aspekten des Projektes zu befassen um dann gegenüber dem Stadtrat eine Empfehlung abzugeben. Diese Akteure sind nur der Sache verpflichtet, sie verfolgen keine eigenen oder Drittinteressen und wollen nur das Beste für ihre Stadt. Ein mittlerweile europaweit sehr bewährtes Verfahren mit dem ich auch persönlich in Wuppertal sehr gute Erfahrungen machen durfte.“
Panagiotis Paschalis

„Vorausgeschickt: Ich möchte, dass wir weiterhin eine Oper in Düsseldorf haben!Für mich gehört eigentlich unsere schöne alte Oper immer noch saniert und restauriert. Wenn es aber unbedingt ein neues Opernhaus werden soll, muss dieses bitte an einen ganz anderen Standort! Eben – z.B. in den Hafen. 

Ich frage mich, was wir Düsseldorfer nur tun können, um diesen Wahnsinn noch zu stoppen? Es darf und kann doch nicht sein, dass unsere Stadtverantwortlichen und damit vor allen Dingen unser OB, das Ganze jetzt einfach durchziehen? Müssen wir Bürger womöglich bei den irgendwann anstehenden Ausschuss- und Ratssitzungen vor dem Rathaus demonstrieren gehen? Wenn schon so viel von „unser aller Geld” in einen Neubau fließen soll, müssen wir Düsseldorfer doch uneingeschränkt „Ja” sagen können und am Ende auch stolz sein auf unser neues Opernhaus? So wie es die Hamburger mit ihrer Elphi heute sind. 

So ein markanter Bau braucht Luft und Platz, damit er wirken kann und damit dann tatsächlich das viel beschworene „städtebauliches Highlight” für Düsseldorf wird. Ich finde den Entwurf nämlich gut. Aber an diesem Standort, ist er wirklich „Perlen vor die Säue” … Ein günstiges Grundstück ergattern ist eben doch nicht alles! 

Ich glaube auch nicht daran, dass die Besitzer der umliegenden Gebäude auf einmal in ihr Eigentum investieren (können) und eine Aufwertung der gesamten heruntergekommenen Gegend mit Dönerbuden und Co stattfinden wird. So passt für mich jetzt einfach gar nichts mehr zusammen und die Milliarde sind dafür auch einfach viel zu viel! Daher bitte dringend zurück auf Nullund die Düsseldorfer Bürgerschaft in einem Bürgerbegehren befragen:

1.) Sind Sie für den Neubau der Oper des Architekturbüros Snøhetta am Standort Wehrhahn? 

2.) Sind Sie für den Neubau der Oper des Architekturbüros Snøhetta an einem passenderen Standort, an dem der Neubau seine Wirkung erzielen kann und damit tatsächlich ein städtebauliches Highlight für Düsseldorf wird?“
Carolyn Eickelkamp

„Eine Oper am Rhein wäre die beste Lösung gewesen. Aber die Würfel sind nun gefallen und für den Wehrhahn ist die Snohetta-Version ein sehr stimmiger Vorschlag, mit Abstand der beste unter den eingereichten Arbeiten.
Margret Barth von Wehrenalp

„Ich finde einen Opernneubau vollkommen unnötig. Ich mag unsere alte Oper sehr! Sie ist charmant, groß genug und hat was. Der Standort ist ideal und soll auch unbedingt bleiben. Der Entwurf für den Neubau finde ich ganz schlimm. Ein großer, uneleganter, uncharmanter Gesichtsloser Klotz. So hässlich, wie ein Kaufhaus. Viel zu groß und an ganz mieser Stelle. Für diese Milliarde sollte man die alte Oper sanieren und am Werhahn die Musikschule etc. neu bauen. Hier will sich unser Oberbürgermeister ein Denkmal setzen auf Kosten der Bürger und der Schönheit meiner Stadt. So wird nur eine zukünftige Bausünde entstehen. Ich bin tief enttäuscht.“
Eva-Marie Löw

„…spekulatives Gerede hilft niemandem weiter! Viele Bauten wurden in der Planungsphase mies gemacht, aber später hoch gelobt. Den potthässlichen Beton-Tausendfüßler z.B., wollten einige Spinner sogar zum Kulturdenkmal erheben, damit er nicht abgerissen wird. Der Opernhausentwurf wirkt äußerlich klotzig, soll aber voll den funktionale Ansprüchen genügen, und das zählt deutlich mehr als das beliebige Empfinden der Dauer- und Allzeitmotzer.“
Herbert Sommer

„1. Der Standort am Wehrhahn ist der einzige, der dem Ziel einer „Oper für Alle“ gerecht werden kann: die Schadowstraße auf Höhe Kö Bogen 2 war am vergangenen Samstag, neben dem 200 Meter entfernten Schadowplatz, der Ort mit der meisten Frequenz in ganz Düsseldorf. Von beiden Plätzen aus könnte man die neue Oper sehen. Meines Erachtens gibt es also keinen bürgernäheren Ort, um eine „Oper für Alle“ zu ermöglichen.

2. Der Standort am Wehrhahn ist der einzige, der drei Institute unter einem Dach vereinen kann: Eine Vereinigung wird weder an der Heinrich-Heine (aus Platzgründen) noch im Hafen (aufgrund der Verkehrsanbindung) möglich oder erfolgversprechend sein.

3. Der Standort am Wehrhahn ist der einzige, der zu einer durchgängigen Belebung des Hauses führen kann: Eine zweite Bühne in einer neuen Oper allein wird nicht für eine durchgehende Belebung sorgen. Stattdessen werden die Musikschule und Bibliothek, durch das jüngere/gemischtere Publikum zu einer Belebung außerhalb der Spielzeiten führen. Zweitens, die Chance, dass die Oper als „dritter Ort“ genutzt wird, sind an der hoch-frequentierten Schadowstraße offensichtlich größer als anderswo.

4. Der Standort am Wehrhahn kann repräsentativ und ein Wahrzeichen sein. Die Zitate von Snohetta und Dr. Fils sprechen für sich: Ein Wahrzeichen muss nicht zwangsweise ein Solitär sein.

5. Der Standort am Wehrhahn ist historisch relevant und genauso nah an Kunst und Kultur: Stichwort Tonhallenstraße und Nähe zum Malkasten. 

  • Der Fußweg vom Kunstpalast zur heutigen Oper beträgt 1,1 Kilometer (16 Minuten zu Fuß) Vom Kunstpalast bis zum Wehrhahn sind es 1,6 Kilometer (22 Minuten zu Fuß).
  • Vom Schauspielhaus zur heutigen Oper sind es 700 Meter (10 Minuten zu Fuß). Vom Schauspielhaus zum Wehrhahn 350 Meter (4 Minuten zu Fuß).

Ihre Aussage „Das Schauspielhaus, die Museen sind weit weg, …“ ist also falsch.

6. Der Standort am Wehrhahn wurde von einer demokratisch legitimierten Expertenkommission gewählt, die Standortentscheidung wurde von einer Expertenkommission getroffen. Diese wurde vom Rat eingesetzt. Somit ist die Entscheidung m.E. demokratisch legitimiert. In einer Demokratie darf man natürlich anderer Meinung sein, aber die Standortentscheidung ist keine Entscheidung einer einzelnen Person oder durch den Kauf des Kaufhofs erzwungen worden.

7. Das Ergebnis der Kommunalwahl 2025 spricht für einen Opernbau am Standort Wehrhahn: Der Opernbau war auf der Agenda der CDU. OB Keller war klarer Befürworter des Standort Wehrhahn. Die CDU ist m.E. Gewinner der Kommunalwahl. Die Grünen (und die SPD?) waren gegen die Oper positioniert und haben am meisten Stimmen verloren. 

Dies deutet auf eine breite Unterstützung für die momentane Opernbaustrategie hin. Anders ausgedrückt, wenn die breite Öffentlichkeit, wie Sie es darstellen, den Opernbau oder -standort in der Tat ablehnt, wäre das Wahlergebnis anders ausgefallen. Ich erinnere: die Standortfrage und der CDU-SPD-Deal wurden vor der Wahl getroffen. Wenn der Opernbau wirklich ein kritisches Thema gewesen wäre, wäre es im Wahlkampf offener thematisiert worden und OB Keller für diese Entscheidung abgestraft worden.

8. Der Standort am Wehrhahn wird selbst von den Mitarbeitern der Oper bevorzugt: in Gesprächen mit Mitarbeitern der Oper wurde immer wieder positiv über die Chancen, die sich am neuen Standort ergeben werden, gesprochen (insbesondere das Potenzial die Oper näher an die breite Bevölkerung zu bringen). 

Ich frage mich, was die Betroffenen bzw. Opernexperten sehen, aber Sie nicht.“ 
Thomas Görner

„Wie Christian Herrendorf halte ich eine neue Oper für überflüssig, es gibt ausreichend entsprechende Angebote in den Nachbarstädten. Darüber hinaus halte ich eine Ausgabe in dieser Höhe, die zudem über diesen Zeithorizont nicht realistisch kalkulierbar ist, für unverantwortlich, zumal wichtige Investitionen in die Infrastruktur und zur Klimafolgenanpassung meines Erachtens höher zu priorisieren sind. Unabhängig von meiner Meinung bin ich in jedem Fall für einen Bürgerentscheid, ein derart großer finanzieller Posten mit einer derart städtebaulichen Veränderung sollte nicht nur vom Stadtrat, sondern in erster Linie von den Bürgerinnen und Bürgern entschieden werden.“
Christiane Maria Loosen

„Ich bin sehr zurückhaltend geworden, Statements zur Stadtpolitik abzugeben aber in diesem Fall äußere ich mich und zwar gegen die Verausgabung solchen hohen finanziellen Mittel für eine neue Oper.

Es ist zum einem der Aufwand und damit die finanzielle Belastung unseres städtischen Haushaltes, der mich zu einem Nein zu dem Projekt bringt. Es wurden gerade im Bereich der Freien Szene in Düsseldorf gute Ansätze hinsichtlich der Finanzierung umgesetzt und auch im Bereich Soziales steht Düsseldorf meiner Einschätzung nach gut da, was den finanziellen Einsatz betrifft, man mag hier neben wichtigen sozialpolitischen Maßnahmen wie das Engagement gegen Obdachlosigkeit und die Drogenproblematik auch viele weitere anführen. Auch die Schulsanierungen seien hier erwähnt und auch die anstehende Aufgabe, Mittel für den Wohnungsbau und die Kontrolle von Missbrauch am Wohnungsmarkt zur Verfügung zu stellen. Für all das werden Spielräume gebraucht, die so wichtig sind. Eine Festlegung auf eine so große Ausgabe, verbunden mit hohen Zinsen und auch Risiken kann das gefährden.

Es gibt aber auch noch einen weiteren Grund für meine ablehnende Haltung: Bereits seit langer Zeit gibt es Hinweise aus der Stadtsoziologie, dass die Städte immer mehr auf eine Eventisierung und Festivalisierung setzen. Das Problem einer solchen Strategie im Konkurrenzkampf der Städte führt zu einer Tendenz, die Form über den Inhalt zu stellen, das Ereignis über die Auseinandersetzung. Größer und noch größer zu planen, mag für ein Städteranking und den Tourismus von Bedeutung sein aber wir stehen vor anderen Aufgaben, wie der Beitrag in VierNull zu dem Vergleich von Hassels und Oberkassel zeigt. Die Aufgabe ist, Zusammenhalt einer Stadtgesellschaft zu schaffen, nicht zuletzt, um den Rechten den Raum enger zu machen und Menschen mehr von der Demokratie zu überzeugen. Unsere Stadt muss nachhaltig gestaltet werden, um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen, auch hier der Verweis auf den Beitrag zum Hitzeaktionsplan in VierNull. Aber diese Maßnahmen im Bereich das Klimaschutzes müssen das Soziale berücksichtigen und die Ansprache und Mitnahme der ganzen Bewohnerschaft beinhalten. Dafür brauchen wir finanzielle Ressourcen auch und gerade für die Quartiersarbeit, für zugehendes professionelles Engagement, womit wir wieder bei Punkt eins meines Einwandes sind.“
Reinhold Knopp

Zunächst finde ich den neuen Standort und den Siegerentwurf richtig und sehr passend. Der Standort im Hafen würde nicht dem Ziel „Oper für alle“ entsprechen und keine Kaufkraft in die Innenstadt bringen. In eine andere Stadt zu fahren, würde für mich als Tourist natürlich nicht in Frage kommen, da ich Düsseldorf besuche.
Tanja Paßon

„Ich finde es unverantwortlich, für ca. zwei Milliarden Euro eine neue Oper für diese Stadt zu planen. Dieses Projekt hat vermutlich ja noch Folgekosten. Vor einigen Tagen gab es eine Debatte im Rat über die gestiegenen Kosten bei Schulneubauten. Kostensprünge von 29 bis 42 Prozent. Der Etat für Schulneubauten wird aktuell mit zwei Milliarden Euro bis 2030 kalkuliert. Es ist doch naiv, wenn man glaubt, dass es bei der Milliardenoper nicht zu Kostensteigerungen kommen wird.

Woher soll das Geld denn kommen? Sollen andere Kultureinrichtungen wie Aquazoo, Stadtbücherei, Zakk und Museen von ihrem Etat abgeben? Oder sollen da die Besucherinnen die Kostensteigerungen durch höhere Eintrittsgelder auffangen? Schon jetzt wurden die Eintrittsgelder teilweise kräftig erhöht (Kunstpalast von 12 auf 16 Euro, Art Card von 80 auf 100 Euro).

Außerdem hat die Stadt noch ganz andere Investitionen zu stemmen. Renovierung von Brücken, Schulbauten, andere öffentliche Gebäude usw. Diese Ausgaben dienen unserer aller notwendigen Daseinsfürsorge. Eine neue Oper ist ein schöner Luxus, aber können wir uns den auch leisten?  

Ich verstehe nicht, dass über diese so grundsätzliche Entscheidung die betroffenen Bürger nicht im Rahmen eines Bürgerentscheides abstimmen können, in welche Bereiche zukünftig investiert wird.

Es geht ja nicht darum, den Freunden dieser Nischenkultur ihre Freude an ihrer Musik zu nehmen. Aber geht es nicht eine Nummer kleiner?“
Brigitte Wessel

Ich spreche mich für den Opernneubau und für den Standtort am Wehrhahn aus. Als Musikerin begrüße ich besonders, dass neben der Oper auch die Musikbibliothek und – vor allem – die Musikschule mit einziehen soll. Besser kann man nicht für Nachwuchs und eine selbstverständliche Nutzung sorgen. Ein Solitär am Hafen wäre sicherlich ein Hingucker, ob es aber auch ein Hingeher wäre, ist fraglich. Interessant fand ich ein Interview mit einem der Architekten von Snøhetta, der es fast bedauerte, mit den elitären Solitär-Opernneubauten je angefangen zu haben.

Ich bin selbst Musikerin/Sängerin und kenne das jetzige Opernhaus von innen, also von der anderen, der Bühnenseite aus. Was sich dort an Wissen und Können tummelt, möchte ich in Düsseldorf nicht vermissen. Gleichzeitig habe ich große Hoffnungen in die neue Intendantin, die es hoffentlich – zusammen mit einem zentral gelegenen und interessanten Haus – schafft, alle Generationen für die Oper neugierig zu machen. Das würde für mich sogar die Kosten rechtfertigen.“
Annette Müller

Düsseldorf ist in einer finanziellen Krise und deshalb verstehe ich nicht, warum die Oper neu gebaut werden soll. Zumal nur wenige Menschen die Oper wirklich nutzen. Es wird ein sehr teurer Bau werden, mit Sicherheit sogar mehr kosten, als jetzt eingeplant wird. Ich finde den Opernbau unnötig und das ganze Geld könnte den maroden Schulen und dem Wohnungsausbau zu Gute kommen. Denn das ist etwas für uns alle, und die Bürger würden merken, dass die Stadt für ihre Mitmenschen da ist.
Angelika Strauß