fbpx

Es gibt nicht nur nette Nachbarn

Nebeneinander zu wohnen kann schön sein – oder der pure Stress. Ich stelle sechs Fälle aus Düsseldorf vor, bei denen Menschen aneinandergerieten. In Teilen zeigt sich ein buchstäblich asoziales Verhalten.

Veröffentlicht am 31. März 2023
Baumfällung Leostraße
Mehrere Wochen lang lagen die Reste einer gefällten Buche neben der Baustelle an der Leostraße in Oberkassel. Inzwischen ist das Holz weggeräumt worden. Die Anwohner sind empört, die zuständigen Behörden untersuchen den Fall jetzt. Foto: Andreas Endermann

Morgens lag die Buche am Boden
Ein krasses Beispiel für egoistisches Verhalten eines Nachbarn ist ein Baum in Oberkassel an der Leostraße. Genauer: eine Rotbuche, über 100 Jahre alt, also ein Prachtexemplar, gesund und die Freude aller, die draufschauen konnten. Nun ist sie weg – gefällt „in einer Nacht- und Nebelaktion“, wie Anwohner berichten. Weil dort, wo sie stand, eine Tiefgarage entstehen soll, passend zu einem Neubau. In diesem Fall dürfte die Sache für den Verursacher böse und so nicht erwartete Folgen haben. Erstens hat er gegen die Düsseldorfer Baumschutzsatzung verstoßen, die das Fällen eines solchen Baumes schlicht verbietet oder nur unter extrem hohen Auflagen erlaubt. Zweitens ist der Baum zwar gekappt, aber nicht tot. Denn die uralten Wurzeln im Boden sind durchaus noch lebendig. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden sie am Stumpf neu austreiben und zwar keinen neuen Stamm wachsen lassen, dafür mehrere neue Triebe.

In der Waldwirtschaft nennt man diesen Vorgang „auf den Stock setzen“. Man nutzt es für die Gewinnung von Brenn- oder Bauholz, und meist sprießt das neue Grün prächtig. So oder so kann es sein, dass das Fällen der Buche den Bauherrn sehr viel Geld als Strafe und die Tiefgarage kosten wird. Dass die dort gebaut wird, ist jedenfalls aufgrund des noch lebenden Baumes und wegen des Verstoßes gegen die Satzung nicht zu erwarten. Dass der Investor, wie behauptet, nichts von der Aktion gewusst hat, glaubt man ihm nicht und außerdem ist er so oder so verantwortlich. Auf jeden Fall hat er sich bei den im Umfeld lebenden Menschen nicht gerade als guter neuer Nachbar empfohlen. Bereits vor dem Einzug ist das Verhältnis bereits zerrüttet, nette Grillpartys dürfte es auf lange Sicht nicht geben. Seine Baustelle steht mehr denn je unter gründlicher Überwachung.

Gegen das Krähen und Summen

Ganz anders liegt ein Fall in Vennhausen: Dieser Stadtteil am Rand von Düsseldorf ist sehr grün und ländlich geprägt. Was vermutlich auch dazu führte, dass ein Anwohner irgendwann beschloss, in seinem Garten Hühner zu halten. Zu einer Schar von Hennen gehört ein Hahn, und der tut das, was Hähne halt gern tun – er kräht. Sehr laut, und vor allem früh morgens. Das gefällt in der Nähe lebenden Menschen nicht und sie wollen es verbieten lassen. Ein Hahn gehöre nicht in die Großstadt.

Die jedoch ist in Vennhausen etliche Kilometer entfernt, das hat die Stadt auf eine Beschwerde sinngemäß geantwortet, Hühner seien daher ortsüblich. Nun muss das Verwaltungsgericht entscheiden, ob der bunte Vogel weiter laut sein darf. Übrigens geht es auch um Bienenvölker. Die sollen ebenfalls verboten werden. Ob das Summen stört oder man Angst vor den Tierchen hat, steht nicht in den Akten.

Bebaut bis auf die Grenze
Verbürgt ist auch der folgende Fall: Zwei Familien, eng befreundet, nebeneinander lebend und untereinander verpatet, reden heute nur noch über ihre Anwälte miteinander. Denn die eine hat angefangen, ihr Haus zu modernisieren und dabei das Baurecht bis auf die Grenze ausgenutzt. Grenze ist hier durchaus wörtlich zu nehmen. Der bisher bestehende Abstand zum anderen Gebäude sollte bis auf ein Minimum schrumpfen, was aber nicht gut ankam. Also: Widerspruch, keine Einigung, Gericht, Klage, viel Geld, vergiftetes Klima.

Hohe Mauern
Sehr beliebt, vor allem in den vermeintlich besseren Adressen: Weil mehr als genug Geld da war, wurden – in drei mir bekannten Fällen – dort bereits stehende, prächtige Häuser gekauft. Weil diese Villen aber den sehr hohen Ansprüchen der neuen Eigner nicht genügten, ging man daran, sie umzubauen, und zwar gründlich. Das ist im Rahmen des Baurechts legal, wurde aber nebenan dennoch mit Skepsis registriert. Nicht zuletzt, weil über Wochen ganze Fahrbahnen durch Kräne gesperrt waren. Am Ende entstanden prächtige Bauten, von denen man aber wenig sieht. Denn meterhohe Mauern wie rund um eine Trutzburg wurden hochgezogen, die Anwesen erinnern wirklich an Festungen. Die Botschaft nach außen ist eindeutig: Jetzt wohne ich hier und habe kein Interesse daran, mich in eine lange gewachsene Gemeinschaft unterschiedlicher Menschen einzufügen. Die selbst gewählte Isolation, die klare Abgrenzung, wird als legaler, aber dennoch unfreundlich Akt wahrgenommen.

Lärm durch Kneipen
Man glaubt es kaum, aber offenbar sind eine Reihe von Menschen während der Pandemie in beliebte Gegenden gezogen und wundern sich nun, vor ihrer Haustür pulsierendes Leben zu sehen. Zwei Jahre erzwungene Ruhe sind vorbei, der Wohnort hat – Überraschung! – plötzlich unerwartete Eigenschaften. Das freut offenbar nicht alle, sondern verursacht Streit. Beispielhaft dazu der Anwohner mitten in Niederkassel, der mit Hunderten von Anzeigen beim Ordnungsamt versucht, einen gegenüber seiner Wohnung liegenden Biergarten zur Grabesruhe zu zwingen. Der bewegt sich allerdings im Rahmen der Regeln: Ab 22 Uhr muss der Außenbereich schließen, aber die Anzeigen richten sich auch gegen draußen redende Gäste, nicht ganz korrekt geparkte Autos oder letzte Gespräche unmittelbar nach Schließung des Biergartens. Es vergehen nur wenige Minuten nach 22 Uhr, und die Behörden werden alarmiert – wegen Lappalien.

Geparkte Kleinwagen halten Einfahrten frei
Vor mehreren Jahren machte ein Immobilieneigner Schlagzeilen, weil er zwei Smarts rechts und links von seiner Einfahrt zur Tiefgarage geparkt hatte. Damit verhinderte er, dass andere Fahrzeuge zu dicht heranrückten und somit die Zufahrt erschwerten. Das Beispiel hat Nachahmer gefunden: Auf derselben Straße nutzt eine andere Person den gleichen Trick. Und in zwei Straßen an östlichen, ebenfalls als Wohnlage begehrten Adressen in der Nähe des Gallbergs gibt es nun auch diese Luxus-Poller. Wer dort wohnt und auf knappen Parkraum angewiesen ist, reagiert wenig begeistert.


Lust auf weitere Geschichten?