Schummeln war immer ein Tauschgeschäft. Die einen lernten für die Uni-Klausur, die anderen nahmen sie fürs Abschreiben mit auf die Erasmus-Party. Ein fairer Deal. Unter echte Menschen zu gehen, bringt einen im Leben vielleicht sogar weiter als die Beschäftigung mit fragilen Egos im Antike-Seminar (Kaiser Nero, cool und normal) oder mit Eunuchen im Mittelalter. Meine Uni- und Schulzeit war lange vor KI. Heute muss man niemanden mehr fragen, ob man seine Hausaufgaben abschreiben darf, man hat ja den Chatbot. Jede:r dritte 15-Jährige lässt sich laut neuer Pisa-Studie mindestens einmal pro Woche Texte dafür von einer KI entwerfen. In einer NRW-Umfrage des Philologenverbands nennen 93 Prozent der Lehrkräfte die „intransparente Eigenleistung“ ihrer Schülerinnen und Schüler als Herausforderung.
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Gesa Born

Tach,

Schummeln war immer ein Tauschgeschäft. Die einen lernten für die Uni-Klausur, die anderen nahmen sie fürs Abschreiben mit auf die Erasmus-Party. Ein fairer Deal. Unter echte Menschen zu gehen, bringt einen im Leben vielleicht sogar weiter als die Beschäftigung mit fragilen Egos im Antike-Seminar (Kaiser Nero, cool und normal) oder mit Eunuchen im Mittelalter.

Meine Uni- und Schulzeit war lange vor KI. Heute muss man niemanden mehr fragen, ob man seine Hausaufgaben abschreiben darf, man hat ja den Chatbot. Jede:r dritte 15-Jährige lässt sich laut neuer Pisa-Studie mindestens einmal pro Woche Texte dafür von einer KI entwerfen. In einer NRW-Umfrage des Philologenverbands nennen 93 Prozent der Lehrkräfte die „intransparente Eigenleistung“ ihrer Schülerinnen und Schüler als Herausforderung.

Bleibt die Klausur als letzter Ort, an dem man ohne Chatbot und mit durchgekautem Stift seine Gedanken auf Papier bringt. Aber wer liest sie dann?

Auch Lehrkräfte arbeiten längst mit KI. Zum Bewerten von Schülerarbeiten nutzen sie die Technik bisher aber selten, bundesweit nur acht Prozent, so das Deutsche Schulbarometer. Das will die NRW-FDP ändern. Geht es nach ihr, sollen Klausuren an weiterführenden Schulen „grundsätzlich mit KI ausgewertet“ werden. So steht es in ihrem Antrag vom März, der im Schulausschuss liegt. Die Software markiert Fehler, formuliert Rückmeldungen und schlägt Bewertungs-Punkte vor. Das soll Lehrkräfte entlasten und für Effizienz sorgen.

Wer hat den Stoff verstanden? Wer schreibt plötzlich anders als vor drei Monaten? Nach dem Vorschlag der FDP würde die Lehrkraft all das nur noch aus einem Briefing der KI erfahren. Die könne „Lernstände zusammenfassen“, heißt es im Antrag.

Nur wenn KI sowohl das Schummeln als auch das Korrigieren übernimmt: Wofür schreibt man eigentlich all das noch auf?

Für die Software. Die liest immerhin alles.

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