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Guten Morgen ,
die Industrie- und Handelskammer hat gestern ihren Konjunkturbericht veröffentlicht. Das ist keine Sammlung von Umsätzen, Auftragsvolumina und Kapazitätsauslastungen, die uns ein mathematisch präzises Bild von der aktuellen Lage ergibt. Es ist vielmehr das Ergebnis einer Umfrage unter ihren Mitgliedern, also ein Stimmungsbild. Da Entscheidungen in Unternehmen wahrlich nicht alle rational getroffen werden, ist das letztlich zumindest ähnlich aussagekräftig, wenn man sich fragt, wie es der hiesigen Wirtschaft geht.
Mich hat beim Lesen der Umfrage-Ergebnisse vor allem interessiert, ob in der Region der Aufschwung zu erkennen ist, denn die Forschungsinstitute jüngst für 2027 prognostiziert haben. Mein Eindruck: Noch kann man diese Entwicklung nicht aus den Einschätzungen der IHK-Unternehmen herauslesen.
Aktuell scheint die Wirtschaft vielmehr zu hoffen, den Tiefpunkt hinter und unter sich zu haben. Bodenbildung sagen die Fachleute, wenn die Stelle erreicht zu haben scheint, von der es wieder aufwärts geht. Für eine solche Bodenbildung sprechen die folgenden Argumente:
- Der Schock über den Ausbruch des Iran-Kriegs ist überwunden. Die heftigen negativen Ausschläge des Frühjahrs sind nicht mehr in den Stimmungskurven zu erkennen.
- Die Zahl der Unternehmen, die von einer schlechten zu einer mittleren Bewertung der Lage gekommen sind, ist gestiegen.
- In der Industrie verzeichnen zumindest die Unternehmen mit Auslandsgeschäft ein Plus.
- In der Bauwirtschaft kommen offenbar erste Impulse (und Zahlungen) aus dem Sondervermögen Infrastruktur an.
- Große Investitionen von Mercedes ins Sprinterwerk und von BASF in den Standort auf dem Henkel-Gelände sind Entscheidungen, die auch im bundesweiten Vergleich im besten Sinne aus dem Rahmen fallen.
Diese Hoffnung namens Bodenbildung ist allerdings keine reine. Es gibt in dem Bericht auch Anhaltspunkte, die für weitere Probleme sprechen:
- Die hohen Energiepreise treffen die Unternehmen direkt – und dann noch einmal, weil die Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkaufen zurückhaltender werden, nachdem sie viel Geld an der Tankstelle ausgegeben haben oder mit Vorsicht in die Heizperiode gehen.
- Die Unternehmen investieren nach wie vor nicht zukunftsgerichtet. Wenn sie größere Ausgaben planen, dann um bestehende Maschinen zu ersetzen, aber nicht um zu expandieren. Die Gründe laut Umfrage: hohe Kosten im Inland, geopolitische Risiken im Ausland.
- Die Arbeitslosenquote ist zwar stabil, das ist aber trotzdem keine gute Nachricht. Das ist nämlich vor allem der Fall, weil viele Boomer in Rente gehen, also die Zahl der Arbeitskräfte sinkt, und weil die öffentliche Hand noch einstellt, damit aber eben jemand, der nicht wertschöpfend agiert.
Also: Bodenbildung oder doch noch nicht? Mein Fazit ist mit einer Entdeckung auf der letzten Seite der Umfrage-Präsentation verbunden. Dort steht, das Ingenieurs- und Architektenbüros positive Signale senden. Vielleicht ist die Annahme naiv, aber für mich stehen diese Büros am Anfang einer Kette, die bei Bauunternehmen und deren Zulieferern weitergeht. Das müsste doch im Frühjahr 2027 zu besserer Stimmung in der Breite führen.
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