Donnerstag, 08. Oktober 2026
 

+ Shit happens: Mein Tattoo im Japanviertel + Jean-Claude Bourgueils Reise zu den Sternen + WHU baut Hochschul-Campus im Medienhafen + 

 
  
Guten Morgen ,

als Journalistin interviewt man Menschen und denkt sich seinen Teil. Vor ein paar Jahren sprach ich mit einer Berlinerin über Körperkunst. Sie hatte eine gespaltene Zunge, einen schwarz gefärbten Augapfel sowie Tattoos und Piercings am ganzen Körper. Mein erster Gedanke: Hauptstadt-Menschen und ihre Hobbys, dit is Berlin. Aber das Gespräch hat nachgewirkt. Wenn ich etwas an mir verändern wollte, und war es nur der Haarschnitt, kam sie mir oft noch in den Sinn. Auch, als ich irgendwann die Impulsentscheidung traf, mir im Japanviertel ein Tattoo stechen zu lassen.

Entscheidungen über den eigene Körper betreffen nur einen selbst, trotzdem redet die Gesellschaft ständig mit. Anders gesagt: Mit schwarzem Augapfel erhöht man seine Jobchancen nicht zwingend. Ich war mir mein Leben lang sicher: Ich bin keine Tattoo-Person. Ein unbeschriebenes Blatt zu sein, hatte etwas Beruhigendes. Nur: Wie frei ist die Entscheidung, so „normal“ wie möglich auszusehen (was auch immer das heißt), wenn sie Wettbewerbsvorteile bringt? Wer hat wann festgelegt, dass es akzeptierter ist, sich Nervengift ins Gesicht zu spritzen, als sich die Stirn zu tatowieren?

Vielleicht ein extremes Beispiel. Aber auch die Überhöhung von „Natürlichkeit“ kann ins Extreme kippen. Längst ist das „traditionelle Frauenbild“ eins der Lieblingsthemen der rechten Bubble im Netz: wallendes Haar, kaum Make-up, nur Wasser und Quark statt Kosmetik. Wer es glaubt, wird selig. Dank verschiedener Filter hat sowieso jeder porentief reine Haut. So viel zum Thema „natürlich“.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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