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Guten Morgen ,
ich habe in den vergangenen Tagen oft an ein Praktikum vor zwölf Jahren gedacht. Ich verbrachte damals einen Sommer in Berlin und beschäftigte mich für eine Online-Redaktion mit Rechtsextremist:innen. Damals war das ein ganz schön nischiges Thema, dessen Sinn sich nicht jedem in meinem Umfeld erschloss. Ich schrieb über aufkeimenden Nationalismus, neurechte Vorkämpfer:innen und Orte, in denen sich die extreme Rechte bereits verankert hatte. Während meines Praktikums fand die Landtagswahl in Sachsen statt. Die AfD zog mit 9,7 Prozent erstmals in den dortigen Landtag ein, die NPD flog mit 4,9 Prozent knapp raus. Fast 15 Prozent für rechte Parteien? Mir erschien das furchtbar viel.
Ich beschäftige mich noch immer mit Rechtsextremismus. Erst im Studium, seitdem als Journalist. Dass dieses Thema zu nischig ist, sagt mir heute keiner mehr. Ich stelle mir eher selbst die Sinnfrage. Damals, als ich anfing, wurde es zumindest noch wahrgenommen, wenn sich jemand zweideutig über den Holocaust äußerte, gegen Ausländer:innen hetzte und Unwahrheiten verbreitete. Heute, so kommt es mir vor, erreicht das nur noch diejenigen, die eh niemals die AfD wählen würden. Deren Unterstützer:innen haben sich längst eine Parallelwelt fernab der Fakten aufgebaut. Eine Welt, in der selbst eine 20-Personen-Demonstration durch Düsseldorf im „alternativen“ Livestream als großer Erfolg inszeniert wird.
Für meine Freund:innen aus ländlicheren Gegenden bin ich heute der, der in einer Parallelwelt lebt. In Düsseldorf hat es für die AfD bei der Kommunalwahl gerade einmal für etwas mehr als zehn Prozent gereicht. Für sie ist das eine heile Welt, weit weg von ihren Problemen. Ich denke dann an die Zeiten vor der AfD zurück, als zweistellige Ergebnisse für Rechtsextremist:innen ausreichten, damit Fernsehteams von West nach Ost fuhren. Sie wollten in den so wählenden Städten erfahren, was dort alles im Argen lag. Untersuchungen zeigen, dass Menschen oft dann die extreme Rechte wählen, wenn sie mit Modernisierungsprozessen nicht mehr Schritt halten. Mir geht es auf der anderen Seite ähnlich. Ich kann dem Tempo nicht folgen, mit dem dieses Land rechtsextrem geworden ist.
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