Mittwoch, 10. Juni 2026
 

+ Zu schwach, um die WM zu boykottieren + Hannovers Messe im Niedergang – Warnung für Düsseldorf + French-Open-Sieger schlägt für den Rochusclub auf +

 
  
Guten Morgen ,

meine erste WM-Erinnerung stammt aus dem Abend vor meinem siebten Geburtstag. Wir waren auf einer Hochzeit bei Verwandten eingeladen. Doch vor allem die Männer interessierten sich eigentlich nur für den Fernseher, der im Hof aufgestellt war. Dort lief das Viertelfinale: Deutschland gegen Kroatien. Doch statt Klinsmann und Bierhoff trafen Jarni, Vlaovic und ein gewisser Davor Suker. Ich lernte, wie grausam Fußball sein kann und wie grausam Verwandte sein können, die mir doch tatsächlich um Mitternacht vor lauter Fremden einen Geburtstagskuchen bringen ließen. Mein persönlicher sozialer Kindheitsalbtraum.
 
Ich verbinde, wie wahrscheinlich jeder Fußballverrückte, viele frühe Erinnerungen mit diesem größten Sportturnier der Welt. Ich führte Mappen mit ausgedruckten Screenshots von Spielen, jubelte vier Jahre nach dem Kroatien-Schock über die Eröffnungsspiel-Sensation, als der Senegal Frankreich schlug. Und wie so viele in meinem Umfeld war der Sommer 2006 der Höhepunkt meines unkritischen jugendlichen Patriotismus: Schwarz-Rot-Gold von Kopf bis Fuß, Schland-Rufe in Mund und Ohr.

Die Weltmeisterschaft der Männer ist eine Sucht, die frühkindlich geprägt wurde und deshalb für mich kaum überwindbar scheint. Noch immer gibt es für mich auf der einen Seite kein schöneres Fußballturnier. Jeden Tag schwingt die Möglichkeit mit, dass Nationalteams wie Curaçao, Haiti oder Kap Verde für 90 Minuten über sich hinauswachsen und ein einziges Tor zu einem nationalen Feiertag führt. Das macht für mich bis heute den Reiz dieses Turniers aus. Die Bedeutung, die es für Menschen quer durch die Welt hat.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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