Mittwoch, 03. Juni 2026
 

+ Was Thomas den Geisels zumutet + Geschichten aus der Meerbar + Drei Dinge, die man über das Gehirn lernen kann +

 
  
Guten Morgen ,

wenn Menschen ihre Macht verlieren, werden sie aus der Außensicht oft wunderlich. Es ist wohl eine Art Schutzmechanismus, der dann die Gründe für das Ende bei anderen statt bei sich selbst suchen lässt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, steigt nach meiner Beobachtung mit Y-Chromosom deutlich. Stehen die Betroffenen nicht in der Öffentlichkeit, bleibt ihr Agitationsraum meist die Familienfeier, als deren Gäste sie berüchtigt sind. Sind sie wie Thomas Geisel Ex-Oberbürgermeister und gegenwärtige Europa-Parlamentarier, taugt ihr Abdriften auch als Stoff für eine rund 100-minütige Dokumentation der eigenen Tochter.

Indira Geisel hat über ihre letzten Jahre zwischen BSW-Papa und SPD-Familie den Film „Politik ist persönlich“ gedreht, der aktuell in der ZDF-Mediathek zu sehen ist. Es ist eine Mischung aus Heimvideo und Politik-Doku, die tief in die Brüche der Geisels hineinfilmt und bei der vor allem der Hauptprotagonist kein bisschen überrascht. Der kommt aus der Nähe genauso überdreht, eitel und stur rüber, wie sich das aus der Ferne schauende Düsseldorfer:innen ohnehin schon vorgestellt hatten. Aber das ist natürlich nur meine Außensicht. Für ihn sind es in Wahrheit die anderen, die merkwürdig geworden sind, während er immer Sozialdemokrat geblieben ist.

„Meine Familie glaubt, ich bin ein Loyalitätsopfer“ ist gleich zu Beginn aus dem Off zu hören. Die Dokumentarfilmerin ist, wie sollte es als Tochter auch anders gehen, selbst Teil ihres Werks. Mal kommentiert sie mit einem gewissen Verständnis für die Überzeugungen ihres Vaters, mal überwiegt das Fremdeln. Vor der Kamera kommen vor allem die Verwandten zu Wort, zu großen Teilen selbst überzeugte Sozialdemokraten, allerdings noch immer innerhalb der Partei.

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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