Donnerstag, 19. März 2026
 

+ Lieber nett als autoritär + Wo das Sparen im städtischen Haushalt zu weit geht + Der erste VierNull-Büdchenabend 2026 +

 
  
Guten Morgen ,

vor ein paar Jahren hatte ich ein Interview in einem Café. Als ich kam, war mein Interviewpartner schon da – er sprach mit Ingo Nommsen, dem Düsseldorfer Moderator und Stand-up-Comedian, der in dem Laden zufällig gerade Kaffee trank. Wir wurden einander vorgestellt, und mein erster Eindruck von Nommsen war: Was für ein netter Mensch! Kurz darauf traf ich ihn bei einem Event im Breidenbacher Hof, und wieder dachte ich: Wow, ist der nett! Wir tauschten Handynummern, und eines Tages schrieb er mir per Textnachricht, dass er ein Buch herausbringe. Titel: „Hilfe, ich bin zu nett!”

Ab wann ist man zu nett? Ein Freund von unserem Sohn feierte bei sich zuhause seinen 18. Geburtstag. Eine Top-Party offenbar, nur mit dem Makel, dass einer der Gäste mit dem Edding auf einer Klokachel eine kleine Schmiererei hinterließ. Der Vater des Kumpels schrieb daraufhin eine lange, vollkommen enthemmte Nachricht im Elternchat, die in der Drohung gipfelte, es werde „die Hölle los” sein, sollte sich der Übeltäter nicht stellen. Reinste Trump-Rhetorik. Und das wegen einer Mini-Schmiererei, die noch dazu – er schickte Beweisfotos – gar nicht übel aussah. Fast Banksy-mäßig. Solche Typen erwägen wahrscheinlich einen Drohnenangriff, wenn jemand ihr Handy-Ladekabel verlegt.

Einmal stellte ich mein Büro für den 17. Geburtstag eines Freundes von unserem Sohn zur Verfügung. Alles easy, nichts kaputt, nur dass sich die Feiernden zu später Stunde mit rohen Eiern bewarfen. So what? Wegwischen, fertig. Teenies denken nicht mit dem lästigen Ding oberhalb des Halses. Sie denken mit den Hormonen. Oder bin ich zu nett?

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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