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Guten Morgen ,
ich habe mich vor ein paar Tagen mit den Brüdern Al Qura’an getroffen. Dabei ging es vor allem um ihren Nachnamen und was der ihnen schon für Ärger bereitet hat. Anas, der zwei Mal für die Grünen bei der Bundestagswahl antrat, erzählte mir von seinem Posteingang, der täglich von Rechtsextremist:innen geflutet wird. „Messermann“, „Ausländer“, „Terrorist“ – solche Bezeichnungen sind Alltag für ihn. „Dass ich ein Grüner bin, ist kein Problem. Es ist wirklich immer dieser Aspekt: Al Qura’an“, sagt er.
Vor allem sitzen wir aber wegen seines Bruders Yusuf zusammen und wegen eines Vorstellungsgesprächs, das er im vergangenen Jahr geführt hat. Yusuf, Rechtswissenschafts-Student an der HHU, wollte als Werkstudent für eine Kanzlei arbeiten. Erst sei auch alles gut gelaufen, sagt er. Er habe ein Formular ausgefüllt, sei erst zu einem Telefoninterview, dann zu einem Vorstellungsgespräch geladen worden. Dort wurde er dann unter anderem gefragt, wo er zuletzt im Urlaub war. Yusuf kam von einer Pilgerfahrt, trug noch die entsprechende Glatze. Ab da wurde es komisch.
Yusuf, so sagt er, wurde nun über seine Familie, seine Religion und darüber ausgefragt, ob es früher mal Schulschlägereien gab. Er sei gefragt worden, ob er überhaupt mit Frauen zusammenarbeiten könne. Die Absage erhielt er dann, weil er bis zum nahen Semesterende nur acht statt 16 Stunden hätte arbeiten können. Etwas, das er eigentlich bereits zuvor abgeklärt hatte. Nach ein paar Telefonaten mit Freunden merkte Yusuf, dass mit dem Gespräch etwas nicht in Ordnung war. Er klagte vor dem Arbeitsgericht. Am Ende stand Aussage gegen Aussage. Das Gericht wies die Klage ab. Eine Revision kann sich Yusuf nicht leisten.
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