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Guten Morgen ,
es gibt auf dem deutschen Nachrichten- und Satiremarkt ein Produkt, das nennt sich Titanic. Man könnte es Magazin nennen oder den aus der Zeit gefallenen Begriff Zeitschrift nutzen oder Druckwerk sagen oder was auch immer. An diesem Ding, das steht fest, scheiden sich die Geister, nicht zuletzt, weil die Autoren absolut respektlos agieren, gern bis ins Geschmack- und Pietätlose. So viel vorweg.
Ich mag Titanic. Vor allem wegen der Briefe darin. Die sind alledings nicht von Lesern, sondern an die Leser. Mit anderen Worten, die Redaktion druckt nicht das ab, was ihr zugeschickt wird, sondern schreibt es lieber gleich selbst. „Briefe an die Leser“ heißt die Rubrik. Unnötig zu erwähnen, wie – im wahrsten Sinne des Wortes – lesenswert sie ist.
Titanic nimmt damit die Usancen anderer Medien aufs Korn. Wohl wissend, mit wie wenig Wertschätzung dort oft mit solchen Botschaften umgegangen wird. Denn normalerweise läuft das natürlich umgekehrt. Leserbriefe oder Mails gehen von den Hörern, Zuschauern oder Usern an die Redaktionen. Es sind die Kommentare der direkten Kundschaft, und sie sollten wichtig sein für alle, die etwas veröffentlichen. Leider sehen das einige nicht so, nur noch wenige leisten sich Leute extra zur Betreuung dieser Beiträge, also eine Leserbriefredaktion. Meist wurde sie längst weggespart.
Die eingereichten Meinungen, in ihrer großen Mehrzahl vernünftig, durchdacht und kenntnisreich, werden zudem häufig nachlässig behandelt. Aus vielfältigen Gründen. Vor allem ist diese Arbeit lästig. Man muss sich auseinandersetzen mit bisweilen kruder Sprache, steht nicht selten vor der Frage „Korrigiere ich die Fehler oder lass ich sie so stehen?“, hat zu kürzen und Meinungen zu ertragen, die Lichtjahre von der eigenen (oder auch von der Realität) entfernt sind. Außerdem muss das Ganze unter juristischen Aspekten kontrolliert, verifiziert und lesefertig /-fähig gemacht werden. Was dazu führt, dass in vielen gedruckten Publikationen die Kommentare der Leser oft erst Wochen nach dem eigentlichen Anlass fürs Schreiben erscheinen, wenn bereits vergessen wurde, um was es ging, und sich jede Aufregung längst gelegt hat. Die Kommentarspalten der Onlinemedien, in denen unmittelbar Stellung bezogen wird, sind da schneller.
So oder so: Der Umgang mit dem, was uns geschrieben wird, sollte sorgfältig sein. Denn er zeigt die Wertschätzung der Frauen und Männern, denen ein Beitrag so bedeutend war, dass sie sich dazu äußern.
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