Montag, 23. Januar 2023
 
+ Ärger um Grundsteuererklärung zieht Kreise + Essen im Funky Deli - wie in einer guten WG + Wenn ein Superbiomarkt für immer schließt +
 
  
Guten Morgen ,

vor ein paar Tagen habe ich hier „Vom Versuch, die Grundsteuererklärung abzugeben“ berichtet. Dabei hatte ich keine Ahnung, ob ich allein zu blöd bin, dieses komplizierte Behörden-Kauderwelsch zu verstehen und die Fragen entsprechend zu beantworten. Hilfe kam dann von einem Verwandten, so dass ich zumindest in Teilen vorankam.
Inzwischen gibt es etliche Reaktionen, und zwar auf mehreren Ebenen. Dass ausgerechnet die "Bild"-Zeitung das Thema aufgreift (ob angeregt durch meinen Beitrag, weiß ich nicht), hat mich gewundert, weil die sich ungern offen auf die Seite von vermeintlich Privilegierten stellt. Nach "Bild" dürften Immobilieneigner dazu gehören, aber offenbar war in der Redaktion selbst jemand, der den Papp aufhatte und klarmachen konnte, wie Millionen von Eignern bescheidener Häuschen oder kleiner Wohnungen ebenfalls zu Gepeinigten wurden. Und nicht nur jene, denen Luxus-Wohnungen gehören und den ganzen Schlamassel eh ihren Steuerberatern überlassen. Also schlug "Bild" heftig drauf und brachte gar das Statement des Redakteurs, der sich schlicht verweigert und erklärte, dass er gar nichts erklärt. Schon gar nicht bis zum Ablauf der Frist am 31. Januar.
Das kann man so machen, wie ich nun auch weiß. Denn seit ein paar Tagen höre ich erste einlenkende Töne aus Kreisen der Finanzverwaltung. Anfangs werde man den Säumigen, wenn überhaupt, nur eine Mahnung schicken oder sie erinnern, doch bitte bald tätig zu werden. Von einem Strafgeld ist keine Rede mehr, jedenfalls nicht für die ersten Monate. Klingt gut, und ist im Grunde ein neuer Aufschub durch die Hintertür. Den werden vermutlich viele brauchen, weil – Stand gestern – immer noch knapp die Hälfte der Betroffenen in NRW keine Erklärung abgegeben hat.
Weil ich mich bereit erklärt habe, anderen Personen mit unterschiedlichen Objekten zu helfen, bin ich nach wie vor in der Materie und stoße auf neue Hakeleien. Sehr gespannt bin ich derzeit darauf, wie ich es hinkriege, ein 1000-Quadratmeter-Wald-und-Wiesen-Grundstück mitten in Hessen – Wert: rund 90 Cent pro Quadratmeter = 900 Euro – korrekt abarbeiten zu können. Da stellen sich ganz neue Fragen, und ich lerne, dass der berühmte Maklerspruch „Lage, Lage, Lage“ hier keine Rolle spielt. Anders gesagt: Beim Fiskus ist jede Scholle gleich, egal ob Kö oder Kiefernwald.
Zudem gab es viele Reaktionen von VierNull-Lesern. Einig sind sich alle in ihrer Empörung und Verzweiflung. Ein hier gleich folgendes Beispiel bizarrer Behörden-Prosa, das ein Leser gepostet hat, finde ich besonders aussagekräftig. Bevor Sie es lesen: Höchste Konzentration ist gefragt. Aber es reicht auch, mal quer drüber zu schauen, um zu begreifen, was den Menschen zugemutet wird. Dass Sie es verstehen, ist eher unwahrscheinlich. Wenn ich richtig liege, kann ich nur sagen: Willkommen im Club. Nun der Textauszug aus einer Richtlinie zur Grundsteuerklärung:

Das ist jetzt eine gemeine Stelle, den Text auszublenden, das wissen wir.

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